Mauerfall am Zonenrand

November 10, 2009

Manchmal freu ich mich ja auf mein Leben im Jahr 2080. Dann bin ich weit über hundert Jahre und die Welt hat sich so langsam dran gewöhnt, dass Deutschland wieder ein einig Vaterland ist.

Denn seit Wochen werde ich von früh bis spät mit Informationen über die Wiedervereinigung voll gestopft. Da ich noch nicht an Alzheimer leide, kann ich mich noch ganz gut an die Zeit vor zwanzig Jahren erinnern. Da ist man dann manchmal fast versucht zu sagen: Ist ja gut jetzt..

Es ist ja auch nicht so, dass ich die deutsche Einheit nicht begrüße. Am sogenannten Zonenrand (West!) aufgewachsen, kann ich mich noch gut erinnern, wie seltsam ich es als Kind fand, dass es Deutschland zweimal gab. Einmal in Form des für mich als Kind uneingeschränkt vorbildlichen Westdeutschlands mit dem immer gleichen Kanzler (als jemand, der Mit der 70er Jahre geborne wurde, gab es  in meiner Kindheitserinnerung nur Kohl als Kanzler), einmal in Form einer tyrannischen Diktatur mit Honecker an der Spitze. Da war ich als Kind doch wahrlich froh, dass die Grenze nicht ein paar Kilometer weiter westlich verlaufen war.

Meine Carrera-Bahn, mein Lego-und Playmobil-Spielzeug hätte ich sonst wohl gegen unlackierte Holzklötze eintauschen müssen. Auch Coca-Cola wäre für mich etwas gewesen, was ich nur im Westfernsehen hätte anschauen können (na gut, als Kind durfte ich sowieso keine Cola trinken – vielleicht bin ich deshalb auch noch ADS-frei aufgewachsen).

Die DDR ist für mich also etwas, an das ich mich noch gut erinnern kann. Auch an den 9.11. Meine tiefste Empfindung damals war Verwunderung.

Alles hätte ich den verbohrten Betonköpfen mit den hässlichen Anzügen zugetraut, aber nicht, dass sie so einfach vor der menschlichen Übermacht kapitulieren würden. Insgeheim wartete man ja eher darauf, dass Panzer auffahren und die Montags-Demonstranten einfach niederschießen würden. Stattdessen war das Ende der DDR völlig unspektakulär, so als hätten die Ost-Bonzen einfach keinen Bock mehr auf ihren maroden Staat.

Und wenn ich mich an den November 1989 zurückerinnere, ist das für mich auch immer mit dem sagenhaften Gestank von 2-Takt-Motoren verbunden, die wie eine Dunstglocke über meinem Geburtstort lagen – so war das eben, wenn man in der ersten größeren Stadt hinter der Grenze wohnte. Bananen, die ich zum Glück nicht besonders mochte, waren irgendwann ausverkauft. Davor war der Preis auf sensationelle 10 Mark und mehr pro Kilo gestiegen. Auch gebrauchte Autos waren plötzlich Mangelware. Viele nicht ganz so nette Wessis nutzen die Zeit, ihre schrottreifen Karren den  manchmal doch zu gutgläubigen Ossis zu verkaufen.

Aber wie habe ich am Anfang so schön gesagt: Es ist ja auch irgendwann gut mit den verklärten Erinnerungen…Apropos: Was habt Ihr eigentlich am 9.11.1989 gemacht? ;-)


Frau Anal Meier

November 6, 2009

Jeden Tag tippe ich so einiges an Text und Mails. Kein Problem für mich, denn ich bin ein echter Schnelltipper, trotz eines komischen „Irgendwie-treff-ich-schon-die-Tasten“ Nichtsystems.

Gerade bei Mails sind meine Gedanken jedoch manchmal schneller als meine Finger tippen können. Das ist auch kein Problem für mich, denn schließlich nutze ich ja immer die in Outlook integrierte Rechtschreibprüfung, bevor ich eine Mail verschicke. Was mir heute fast eine mittelschwere Katastrophe eingebrockt hätte.

Schreiben wollte ich: „Richten Sie Anja xxx (den Nachnamen behalte ich lieber für mich) bitte viele Grüße aus.“ Und weil ich manchmal hektisch tippe wurde aus Anja ein Anaj. Ein ganz harmloser Buchstabendreher. Leider am Ende der Mail. Und weil zeitgleich jemand in mein Büro stürmte, drückte ich bei der Rechtschreibprüfung auf „Ändern“ statt „Einmal Ignorieren“. Zum Glück dann aber doch nicht auf Senden.

Denn ob Frau Anal xxx sich über diese Grüße gefreut hätten, wage ich zu bezweifeln…


Telefon-Terroristen

November 5, 2009

Der Job des Journalisten/Redakteurs setzt den häufigen Umgang mit anderen Menschen voraus. Das muss nicht immer etwas Gutes sein, lässt sich aber nun einmal nicht ändern. Manche Menschen sind ja auch ganz nett.

Zumindest am Telefon, denn dann kann man mit einem „Ich muss leider ins Meeting“ auch den hartnäckigsten Menschen abwimmeln.

Aus gegebenem Anlass möchte ich aber unbedingt noch einmal auf Folgendes hinweisen: Beim Telefonieren gibt es bei mir nur vier Möglichkeiten:

1) Ich bin am Platz, niemand ist in meinem Büro: Ich nehme spätestens beim dritten Klingeln ab (dann habe ich es auch bei vollem Mund geschafft, alles runterzuschlucken).

2) Ich bin am Platz, habe jedoch eine Besprechung mit anderen Menschen und vergessen, das Telefon umzustellen: Ich nehme nicht ab. Dann hilft es auch nichts, das Telefon 20x klingeln zu lassen.

3) Ich bin am Platz, hatte aber an diesem Tag schon so viel menschliche Zuwendung, dass ich ein weiteres Gespräch nicht ertrage: Ich nehme nicht ab, werde aber durch das nicht enden wollende Telefongebimmel zusehends gereizt und möchte beim 25x klingeln vielleicht doch abnehmen und in den Hörer schreien, welche Dumpfbacke da eigentlich anruft.

4) Ich bin nicht am Platz: Ist es dann nicht schade, wenn jemand seine Zeit damit verschwendet, das Telefon 20x klingeln zu lassen?

Hier noch einmal die Zusammenfassung für diejenigen Menschen, die mich mir ihren Telefonanrufen manchmal in den Wahnsinn treiben wollen: Wenn ich beim dritten Klingeln nicht abgenommen habe, könnt Ihr auflegen. Dann bin ich nicht da oder will nicht da sein.

Ausgenommen von dieser Regelung sind natürlich reiche – mir bis dato unbekannte -  Erbtanten und Headhunter mit Traumjobs (wenig Arbeit, viel Geld) :-)


Is it reality? Or comedy?

November 5, 2009

Gut, es ist zwar etwas peinlich, aber ich gebe es trotzdem zu: Ich habe gestern seit langer Zeit mal wieder „Raus aus den Schulden“ geguckt. Wobei ich mir langsam die Frage stelle, warum es noch kein televisionäres Pendant zu dem Format gibt. „Rein in die Schulden“ klingt doch auch nicht so schlecht und man könnte dann quasi ein vorher – nachher Format daraus entwickeln.

Aber was ich eigentlich sagen/fragen wollte: Hat das außer mir zufällig noch jemand geguckt? Und könnte mir dann die Fage beantworten, ob das gestern eine Satire-Sendung war und nicht Reality-TV? Die verschuldete Frau (Name habe ich schon wieder vergessen) erinnerte mich stark an Anke Engelke, wenn sie eine etwas heruntergekommene Hartz-4-Empfängerin spielt. Oder war das gestern alles echt? Irgendwie unheimlich gruselig, das Format…


Korrektur: Urlaub ist doch nicht wie Arbeit

November 4, 2009

Nachdem ich den Montag auch noch Urlaub hatte, muss ich meine letzte Aussage korrigieren. Urlaub ist doch nicht wie Arbeit, denn Urlaub nervt einfach nicht.

Auf jeden Fall habe ich noch niemals jemanden sagen hören, dass Urlaub nervt, unterfordert, überfordert etc.

Im Urlaub muss man seine Lebenszeit auch nicht mit extrem langweiligen Meetings verbringen, in denen austauschbare Männer (manchmal auch Frauen) mit Seiten- oder Mittelscheitel und bügelleichten Eterna-/Seidensticker-Hemden in grauen mittelpreisigen Anzügen so lange reden, bis man „Bingo“ schreien möchte, weil man genug Wörter auf bullishitisch vernommen hat. Oder Kollegen im ewig gleichen Pulli für eine Aussage, für die man gut 10 Sekunden brauchen würde,  sagenhafte 30 Minuten benötigen.

Und es gibt noch etwas, was man nur im Urlaub oder am Wochenende tun kann: Ski fahren!

Am letzten Sonntag stand ich bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen um die 0 Grad auf Deutschland höchstem Berg, der Zugspitze. Auch wenn die Zugspitze nur wenig Pistenkilometer (dafür aber teure Skipässe!) bietet, lohnt sich gerade in der Vor- oder Nachsaison ein Abstecher dorthin. Während die Landschaft unten noch strahlenden Herbstfarben leuchtet, gibt es oben Schnee satt. Da störte es mich dann auch kaum, dass die Pisten entweder eisig oder sulzig waren. Ein weiterer Pluspunkt: Die Pisten sind relativ leer, weil die meisten Skifahrer noch keine Lust (oder keine Lust mehr) auf Ski fahren haben.

Tipp für alle, die in /um München herumwohnen: Hinfahren, fürs gute Gewissen ein bisschen die Pisten runterrutschen und dann für 2,50 Euro einen Liegestuhl mieten und die Sonne genießen :-)

 


Urlaub ist wie Arbeit

Oktober 30, 2009

Nach einem Tag Urlaub muss ich abends leider feststellen: Urlaub ist wie Arbeit, nur körperlich anstrengender. Weil man im Urlaub all das machen muss, was man in der Woche aufgrund der Arbeit kaum schafft. Zum Beispiel Wäsche waschen, (gefühlt) 20 Körbe Wäsche bügeln (gerade beschlossen, nur noch Klamotten mit Knitteroptik zu kaufen!), Keller aufräumen, Zeugs sortieren und weitere absolut spaßbefreite Arbeiten.

Und jetzt bin ich an einem Freitagabend zu müde für irgendwas. Sogar zu müde, um mir den doofen TV-Trash anzutun. Freue mich ja fast wieder auf die Arbeit. Bis auf die anwesenden Menschen ist dort alles prima. Man kann bewegungslos auf den Monitor starren, stundenlang sinnlose Telefongespräche führen, sich über seltsame Software wundern, die IT-Abteilung innerlich verfluchen, schlechten Kaffee trinken (und sich immer wieder dabei anhören, dass man sich doch glücklich schätzen darf, dass es überhaupt kostenlosen Kaffee gibt) und und und…

So, genug gegriesgrämt für heute. Der Rest der Abends gehört dem Buch „Bis ich dich finde“ vom „Garp“-Autoren John Irving. Wie bei Irving nicht anders gewohnt, ist auch dieses Buch voller Skurrilitäten, dabei herrlich kurzweilig und einfach nur gut zu lesen. Aber das sollte es bei über 1100 Seiten wohl auch sein. Bin mal gespannt, wie lange ich daran noch lese, aber auf jeden Fall liegen noch 400 Seiten vor mir.


Neue Kurzgeschichte: Herr P., die Dritte

Oktober 30, 2009

Nachdem ich den 2-Tages-Workshop irgendwie überstanden habe und mich heute und am Montag mit zwei Tagen Urlaub selbst belohne ;-) , wird es Zeit, die versprochene dritte Geschichte von Herrn P. online zu stellen.

Herr P. hat es ja nicht leicht: Egal, was er anstellt, am Ende gibt es nur eine Konstante in seinem Leben und die heißt: Tod. Doch vielleicht schafft er es ja wenigstens in seinen Träumen, dem ewig gleichen Schicksal zu entgehen. Wer mehr lesen will, klickt hier.


Schweinegrippe: Eine gute Alternative

Oktober 23, 2009

Seine Kollegen kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Sonst hätten viele Menschen mit Sicherheit andere Kollegen, nämlich intelligente, gutaussehende, interessante Persönlichkeiten, mit denen man auch gerne nach der Arbeit noch ein Bier trinken geht.

Ich bin auf jeden Fall meist ganz froh, wenn ich mehrstündige Meetings hinter mich gebracht habe, ohne manchen Kollegen allzu schlimme Sachen an den Hals gewunschen zu haben. Zwanghafter Redefluss scheint eine immer ernstzunehmendere Krankheit zu werden…

Und so genieße ich jetzt in aller Ruhe diesen bisher ereignislosen Freitag. Und bereite mich mental auf den Montag und Dienstag der nächsten Woche vor. Diese beiden Tage darf ich in Begleitung von meinen mehr und weniger geschätzten Kollegen auf einem Workshop in der Nähe Münchens verbringen. Ich freu mich wie Bolle…

Auf der anderen Seite habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der Workshop vielleicht doch noch ganz nett werden könnte. Szenario 1: Die schlimmsten Dampfplauderer erleiden am Wochenende eine kleine Kehlkopfentzündung, die eine Woche Redeverbot mit sich bringt. Szenario 2: Mich erwischt am Wochenende die Schweinegrippe.

Oder wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt :-)


Discuss your disaster

Oktober 22, 2009

Hier ein ganz superwertvoller Tipp, der aber sofort umgesetzt werden muss:

Wer in der Nähe von München wohnt und sich ganz, ganz furchtbar langweilen oder ein Gefühl dafür bekommen will, was das Wort Wirtschaftskrise in der Realität bedeutet, der sollte unbedingt noch zur Messe Riem rausfahren und auf die discuss & discover gehen.

Die Nachfolgerin der Systems, der wahrscheinlich langweiligsten IT-Messe der Welt (ja, ich weiß, dass ich mich wiederhole), ist heute den dritten und letzten Tag live zu erleben. Irgendwie passt discuss & discover als Messename gar nicht. Den Blicken der anwesenden Aussteller und wenigen Besucher nach zu urteilen, würde „discuss your disaster“ besser passen.

Zum Glück war wenigstens die Microsoft-Pressekonferenz zum Start von Windows 7 nur eine Stunde lang und die Redner rhetorisch gut geschult. Neuigkeiten gab es natürlich nicht (war ja auch die gefühlt 100. Presseveranstaltung zu dem Thema), aber besonders der Deutschlandchef von Microsoft, Achim Berg, hat einen ganz angenehmen Erzählstil.

Wenn man die Stunde brav durchgehalten hatte, durfte man eine Final-Version von Windows 7 Ultimate und eine 180-Tage-Version von Windows-Server R2 mitnehmen. Okay, dass die Server-Version zeitlich begrenzt ist, finde ich dann doch etwas geizig – aber wahrscheinlich muss auch Microsoft sparen…

Ein weiteres Messe-Highlight ist das kostenlose Essen in der oberen Etage. Wer kaltes Fischcurry mag, sollte da unbedingt noch hingehen…


Keine Party ist keine Party ist keine Party…

Oktober 21, 2009

Auch nach 1 ½ Dekaden in der Verlagswelt gibt es immer wieder Pressemitteilungen, die mich etwas verwirren.

Beispiel:  Diese hier von Microsoft, mit der „kurzen“ Bertreffzeile: „Einladung zur Markteinführung von Windows 7 und Windows Server 2008 R2 in Hamburg und München“

Aha, dachte ich mir da Anfang Oktober: Endlich gibt es mal ein paar Infos zur Launch-Party von Windows 7. War ja die letzten Male immer ganz nett gewesen.

Beim Öffnen der Mail stockte ich dann jedoch. Party? Ja, das Wort Party gab es in der Mail auch. Aber nicht im heimischen München, sondern in Hamburg. Dass ein Großteil der IT-Presse in München sitzt, scheint Microsoft wenig zu interessieren. Dafür sitzt Computerbild in Hamburg. Und vielleicht findet es Microsoft auch sexier, trendige Journalisten von Spiegel & Co. auf dem Launch-Event zu haben, als die schlechtangezogene Computerpresse aus München.

Damit die Münchner nicht alle weinen müssen, weil bei den gestrichenen Reisebudgets auch Chefredakteure nicht nach Hamburg fahren dürfen, beglückt Microsoft die Münchner Verlagswelt ebenfalls mit einem Launch-Event. Und zwar morgen, um 11 Uhr morgens in Form einer Pressekonferenz auf der Nachfolger-Messe der Systems (die mit Abstand langweiligste Messe der Welt!), der dicuss & discover.

Wie sagt man in Bayern so schön: I glaub, i werd narrisch…