Manchmal freu ich mich ja auf mein Leben im Jahr 2080. Dann bin ich weit über hundert Jahre und die Welt hat sich so langsam dran gewöhnt, dass Deutschland wieder ein einig Vaterland ist.
Denn seit Wochen werde ich von früh bis spät mit Informationen über die Wiedervereinigung voll gestopft. Da ich noch nicht an Alzheimer leide, kann ich mich noch ganz gut an die Zeit vor zwanzig Jahren erinnern. Da ist man dann manchmal fast versucht zu sagen: Ist ja gut jetzt..
Es ist ja auch nicht so, dass ich die deutsche Einheit nicht begrüße. Am sogenannten Zonenrand (West!) aufgewachsen, kann ich mich noch gut erinnern, wie seltsam ich es als Kind fand, dass es Deutschland zweimal gab. Einmal in Form des für mich als Kind uneingeschränkt vorbildlichen Westdeutschlands mit dem immer gleichen Kanzler (als jemand, der Mit der 70er Jahre geborne wurde, gab es in meiner Kindheitserinnerung nur Kohl als Kanzler), einmal in Form einer tyrannischen Diktatur mit Honecker an der Spitze. Da war ich als Kind doch wahrlich froh, dass die Grenze nicht ein paar Kilometer weiter westlich verlaufen war.
Meine Carrera-Bahn, mein Lego-und Playmobil-Spielzeug hätte ich sonst wohl gegen unlackierte Holzklötze eintauschen müssen. Auch Coca-Cola wäre für mich etwas gewesen, was ich nur im Westfernsehen hätte anschauen können (na gut, als Kind durfte ich sowieso keine Cola trinken – vielleicht bin ich deshalb auch noch ADS-frei aufgewachsen).
Die DDR ist für mich also etwas, an das ich mich noch gut erinnern kann. Auch an den 9.11. Meine tiefste Empfindung damals war Verwunderung.
Alles hätte ich den verbohrten Betonköpfen mit den hässlichen Anzügen zugetraut, aber nicht, dass sie so einfach vor der menschlichen Übermacht kapitulieren würden. Insgeheim wartete man ja eher darauf, dass Panzer auffahren und die Montags-Demonstranten einfach niederschießen würden. Stattdessen war das Ende der DDR völlig unspektakulär, so als hätten die Ost-Bonzen einfach keinen Bock mehr auf ihren maroden Staat.
Und wenn ich mich an den November 1989 zurückerinnere, ist das für mich auch immer mit dem sagenhaften Gestank von 2-Takt-Motoren verbunden, die wie eine Dunstglocke über meinem Geburtstort lagen – so war das eben, wenn man in der ersten größeren Stadt hinter der Grenze wohnte. Bananen, die ich zum Glück nicht besonders mochte, waren irgendwann ausverkauft. Davor war der Preis auf sensationelle 10 Mark und mehr pro Kilo gestiegen. Auch gebrauchte Autos waren plötzlich Mangelware. Viele nicht ganz so nette Wessis nutzen die Zeit, ihre schrottreifen Karren den manchmal doch zu gutgläubigen Ossis zu verkaufen.
Aber wie habe ich am Anfang so schön gesagt: Es ist ja auch irgendwann gut mit den verklärten Erinnerungen…Apropos: Was habt Ihr eigentlich am 9.11.1989 gemacht?
Verfasst von jantarblog
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