Wiesn mit Ekelfaktor
September 24, 2008Draußen ist es einfach zu kalt, um Lust auf das Oktoberfest zu bekommen, aber dafür ist mir gerade eine Geschichte von einer der letzten Wiesn eingefallen, die mit Abstand das Lustigste/Widerlichste ist, was ich bisher dort erlebt habe.
Es war ein wunderbar sonniger Herbsttag, der sich wie ein Spätsommertag anfühlte. Ich war mit ein paar Freunden auf der Wiesn und wir hatten es geschafft, am Samstagnachmittag noch einen Platz draußen in der Sonne zu bekommen, direkt im Biergarten von einem der großen Festzelte. Wir saßen genau neben dem Zelteingang und von meinem Platz aus hatte ich einen perfekten Überblick über alle, die ins Zelt gingen oder aus dem Zelt kamen.
Das war ziemlich unterhaltsam, denn einige Wiesn-Besucher hatten natürlich bereits am Nachmittag echte Probleme mit der Koordination Ihrer Beine und Arme, stolperten mehr schlecht als recht ins Zelt hinein oder aus dem Zelt heraus.
Plötzlich glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Jemand in bester Wiesntracht (Leserhose und Karohemd) ging zielstrebig auf den Eingang zu und übergab sich dann mitten im Gehen. Völlig ansatzlos und ohne auch nur eine Sekunde beim Gehen zu stocken. Soweit ich das sehen konnte, hatte er es auch wirklich geschafft, sich nicht selbst zu treffen.
Während ich gleichzeitig mit einer Mischung aus absolutem Ekel und Faszination kämpfte – fasziniert deshalb, weil ich das Gefühl hatte, dass er gar nicht gemerkt hatte, was passiert war – war besagter Mensch auch schon im Zelt verschwunden.
Was blieb war eine unappetitliche Lache, die aber zum Glück relativ schnell mit Sägespänen überdeckt wurde.
Es vergingen ungefähr 10 friedliche Minuten. Dann kamen zwei Italiener (für Nicht-Bayern: das zweite Wiesnwochenende ist traditionell fest in italienischer Hand) aus dem Zelt gewankt. Beim Versuch des einen, die Sonnenbrille, aus dem Haar auf die Nase zu schieben fiel diese in Sägespän-Masse. Ehrlich: Ich hätte ihm eine Warnung zugerufen, aber er war schneller. Viel schneller, als ich das augrund des Wankens erwartet hätte, hatte er sich schon gebückt und die Brille wieder ins Haar geschoben.
Dass ich kreischend aufgesprungen bin und gleichzeitig zwischen Lach- und Ekelanfallen hin und her gerissen war, ist eigentlich kein Wunder oder?
Auf jeden Fall habe ich beschlossen, das ich mich nie wieder so hinsetze, dass ich den Zelteingang im Blick habe.
Montags-Blues & Wiesn 2008
September 22, 2008Heute ist Montag, ein sehr verregneter Montag. Das Wetter passt zu meiner Stimmung. Denn ich bin so richtig montagsmäßig müde. Und spüre deutlich die gut 14 km, die ich am Wochenende unbedingt joggen musste…
Trotzdem haben wenige Meter entfernt sehr viele Menschen sehr viel Spaß. Das kann ich hören, wenn ich das Fenster meine Bürozelle (weniger Platz haben die im Knast bestimmt auch nicht…) öffne. Denn draußen, quasi direkt vor meiner Arbeitsstelle, ist die Theresienwiese, München, auch bekannt als Wiesn oder Oktoberfest.
Seit vorgestern versuchen sich dort wieder Menschenmassen aus aller Welt in möglichst kurzer Zeit möglichst stark zu betrinken, was vielen auch mit gutem Erfolg gelingt.
Irgendwie bizarr: Wenn man in einem der Festzelte sitzt, findet man es meistens sehr lustig. Wenn man dagegen im Büro sitzen muss, nervt die Wiesn ganz erheblich.
Trotzdem werde ich auf jeden Fall das eine oder andere Mal rübergehen. Ich bin zwar kein echter Wiesnfan, aber auch kein Wiesnmuffel.
Und wenn es etwas Lustiges zu erzählen gibt, werde ich Euch das natürlich nicht vorenthalten…
Ich mag Spam
September 18, 2008Wirklich! Denn ohne Spam würde mir morgens in der Arbeit etwas fehlen. So beginnt mein Arbeitstag dagegen immer gleich: Rechner hochfahren – dauert alles in allem so ca. 10 Minuten und reicht für Kaffee holen, aufs Klo gehen und 1 bis 2 FROG (FirmenRundgang Ohne Grund) – Outlook starten und dann fasziniert auf 10 bis 30 Spam-Mails unterschiedlichster Art starren.
In anderen Firmen soll es angeblich intelligente Spam-Filter geben, die Spam-Mails gar nicht erst in den Posteingang lassen. Dass wäre echt schade. Denn dann würde ich gar nicht erfahren, wo es die billigsten Viagra-Pillen, Adobe Photoshop CS 3 für 49,95 Dollar oder ein geniales Poker-Portal gibt
Weil das alles so viel Spaß macht, gibt es noch einen weiteren Spam-Filter, für den ich sogar ein eigenes Passwort brauche. Hier gibt’s noch viel mehr Spam als in meinem Posteingang. Da sich hin und wieder sogar eine dringende Mail zwischen die Werbe-Mails schummelt, kann man hier richtig auf Schatzsuche gehen.
Damit mir in der Arbeit auch niemals langweilig wird, habe ich noch eine zweiten Mailadresse und damit auch einen zweiten Posteingang. Dieser Posteingang enthält ungefähr 99,87% Spam, weil die Mail-Adresse offen sichtbar auf der Webseite steht. Wer versucht, mir an diese Adresse eine Mail zu schicken, hat Glück, wenn ich sie finde: Öfter als 1x in der Woche stelle ich mich dieser Mail-Flut nicht.
Übrigens hat auch dieser zweite Posteingang noch einen weiteren Spam-Filter, für den man ebenfalls ein Passwort braucht.
Würde ich gewissenhaft alle meine Mails durchgucken, könnte ich an manchen Tagen wahrscheinlich erst am Nachmittag das Arbeiten anfangen.
Für alle, die den ersten Absatz ernst genommen haben: Ich mag ich natürlich keinen Spam, aber ich bin jeden Tag aufs Neue davon fasziniert, wie Spammer die IT-Abteilung meiner Firma austricksen.
Wie gut, dass ich privat einen nahezu spamfreien GMX- und WEB.de-Account habe…
Keine Gnade für Abmahnanwalt
September 17, 2008Jetzt habe ich doch gerade bei law blog entdeckt, dass der Münchner Rechtsanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung verurteilt wurde.
Mehr Infos und viele gehässige Kommentare dazu auch bei den Kollegen von heise.de
Für alle, die Gravenreuth nicht kennen: Einfach den Namen in Google eingeben. Und dann feststellen, dass es da sicher nicht den Falschen getroffen hat.
Misanthropen-TV
September 17, 2008Puh, ich habe mich gerade gezwungen, 15 Minuten Super-Nanny zu gucken. Ich dachte mir, dass mir dann vielleicht ein neues Blogthema einfällt. Aber leider hat es nur bewirkt, dass ich mich fassungslos frage, warum Menschen mit dem IQ einer Banane freiwillig ins Fernsehen streben. Ich hätte vermutet, dass überforderte Eltern im Regelfall nicht im Fernseher mit Ihrer Unfähigkeit protzen, aber anscheinend ist das Phänomen Rampensau sehr verbreitet in Deutschland.
Und wer mag wohl das Zielpublikum der Super-Nanny sein? Hobbysadisten? Die Stehpalme im Wohnzimmer? Angehende Sozialpädagogen?
Ein Glück, dass kurz danach Fußball anfing. Und Bayern mittlerweile 1:0 führt! Dann hoffe ich mal, dass sich Bayern München am Ende auch gewinnt und sich nicht ähnlich blamiert wie gestern Werder Bremen.
Frage: Wie kann man Super-Nanny gucken, ohne zum Misanthropen zu werden?
Miesmach-Nerv
September 17, 2008Journalisten können einem echt das Leben vermiesen. Das darf ich sagen, weil ich auch gelernter Redakteur/Journalist bin, nur leider nicht beim Spiegel oder einem anderen Blatt arbeite, dass für die tägliche Stimmung im Land verantwortlich ist.
Heute Morgen schleppte ich mich zähneklappernd ins Büro (in der letzten Woche hatten wir in München noch ca. 28 Grad, heute Morgen waren es gefühlt 0 Grad!) und surfte wie an fast jedem Morgen kurz bei spiegel.de vorbei.
Als ich nach ca. 10 Sekunden das beklemmende Gefühl bekam, dass die ganze Weltwirtschaft kollabiert, dass übermorgen niemand mehr meine Arbeitskraft braucht und ich mir spätestens zu Weihnachten einen Platz an der Münchner Tafel suchen muss, um etwas Warmes zu Essen zu bekommen, habe ich beschlossen, den Browser für heute zu schließen und keine Nachrichtenseiten mehr anzusurfen.
Das habe ich natürlich nicht lange durchgehalten. Heute Mittag bot spiegel.de leider immer noch kein anderes Bild.
Schlagzeile 1: Steinbrück droht KfW mit Konsequenzen nach Millionenüberweisung an Pleitebank
Schlagzeile 2: Angeschlagene Großbank HBOS sucht Retter
Schlagzeile 3: „Die Finanzkrise wird auf die Wirtschaft übergreifen“
Für das verseuchte Milchpulver in China oder eine Tonschale, die angeblich Jesus Chrisus gehört haben soll, bleibt leider kein Platz mehr auf dem Schlagzeilentreppchen. Und wahrscheinlich würde es der Absturz der Spanair-Maschine heute auch nicht mehr auf Seite 1 schaffen.
Irgendwie bizarr: Da verspekulieren sich ein paar habgierige Raffzähne um viele paar Milliarden Dollar und schon bricht die ganze Weltwirtschaft zusammen. Und damit sich alle gleichermaßen schlecht fühlen, wird man von morgens bis abends mit Panik-Artikeln zugeschüttet.
Ich finde, man sollte das Fernsehprogramm an die wirtschaftliche Katastrophenlage anpassen.
Vorschläge:
- Bei Das pefekte Dinner dürfen die Kandidaten von nun an nur noch maximal 5 Euro für ein 3-Gänge-Menü für 5 Leute ausgeben. Wer nicht im Dunkeln sitzen will, muss seine Gäste überzeugen, abwechselnd auf einen vorher umgerüsteten Home-Trainer zu steigen und durch emsiges Trampeln für die nötige Stromversorgung zu sorgen. Idealerweise kann auch der Dickste der Runde diese Aufgabe für den kompletten Abend übernehmen.
- Die Sendung mit der Maus verrät Strategien für das Überleben auf der Straße auch bei winterlichen Temperaturen und zeigt die besten Tricks, wie auch ganz arme Kinder im Kindergarten ganz leicht an teure Markenklamotten kommen.
- Die neue Casting-Show heißt DSDSI = Deutschland sucht den Superinsolvenzler. Gewinner dieser Show ist, wer ein möglichst großes und gesundes deutsches Unternehmen als Geschäftsfüher in der kürzesten Zeit in die Insolvenz treibt und dabei für die größte Zahl an arbeitslosen Arbeitnehmern sorgt. Bonuspunkte gibt es natürlich auch für lange geheimgehaltene Schwarzgeldkonten und clevere Ideen bei der Steuerhinterziehung.
Ich bin froh…
September 15, 2008..dass ich neulich meine letzten Aktien verkauft habe.
Und beim Blick auf meinen Vermögenswirksame-Leistungen-Fonds frage ich mich resigniert, warum ich nicht doch einen Bausparer genommen habe.
Irgendwie scheint man mit Aktien keinen Gewinn machen zu können oder gewinnen alle anderen und nur ich verliere? Ne, das kann auch nicht stimmen…
Rabbit zum Glücklichsein
September 13, 2008Man nehme: Zeit, einen bequemen Sessel, scheußliches Regenwetter
Optional: Die Erinnerung an einen Urlaub in den USA
Seit dem Film „Die Hexen von Eastwick“ kennen wohl auch weniger lesefreudige Menschen den amerikanischen Autoren und Pulitzer-Preisträger John Updike. Und obwohl mir Literatur aus dem 19.Jahrhundert (Dostojewski, Tolstoi, Flaubert, Zola, Dickens, etc…) am liebsten ist: John Updike hat einfach ein großartiges Gespür für seine Mitmenschen und einen ganz feinen Humor, der auch dann noch durchkommt, wenn er die größtmöglichen Katastrophen beschreibt.
Empfehlen will ich hier aber nicht die „Hexen von Eastwick“ (das Buch kenne ich nicht), sondern die Rabbit-Reihe, die aus insgesamt 5 Büchern besteht.
Rabbit, das ist eigentlich Harry Angstrom. Jeder Band erzählt mit einem Abstand von circa 10 Jahren etwas aus Rabbits Leben, beginnend mit den 50er Jahren. Angstrom ist ein typischer Amerikaner aus der Arbeiterschicht: Der Vater ist Drucker, die Mutter Hausfrau und die jüngere Schwester tödlich gelangweilt von der miefigen Enge Pennsylvanias (der sie dann schließlich durch einen Job als Edel-Prostituierte entflieht, was aber im Buch nur dezent angedeutet wird).
Bereits zur Highschool-Zeit erlebt Rabbit den Höhepunkt seines Lebens und bringt es als Basketball-Ass (Schwarze spielten in den 1940er Jahren noch nicht Basketball) zu lokaler Berühmtheit. Was seine Jugendliebe aber nicht daran hindert, einen anderen zu heiraten, als Rabbit zum Militär muss.
Eher aus Zufall (oder weil sie schwanger ist?) scheint Rabbit dann die schüchterne Janice Springer zu heiraten, deren Vater die örtliche Toyota-Vertretung gehört.
Und damit nehmen der Wohlstand, aber auch die kleinen und großen Katastrophen ihren Lauf: Am Anfang der Ehe lebt Rabbit monatelang mit seiner Geliebten, einer Gelegenheitsprostituierten zusammen, Janice lässt aus Versehen das zweite Kind, eine Tochter, in der Badewanne ertrinken.
Jahre später revanchiert sich dann Janice mit einer lang andauernden Affäre mit dem griechischen Autoverkäufer aus der Toyota-Vertretung ihres Vaters, während Rabbit aus seinem Haus eine Art Kommune macht und sowohl eine drogensüchtige Minderjährige als auch ihren afroamerikanischen (ich hoffe, das ist politisch korrekt!) Freund bei sich aufnimmt.
Natürlich bleibt das Verhältnis zu dem entlaufenen Teenager kein platonisches…und natürlich endet die ménage à trois in einer Katastrophe, die nicht alle überleben werden.
Dass Nelson (erstgeborener Sohn und einziges Kind) bei diesen Verhältnissen nicht normal werden kann, scheint logisch. Und so kann der Leser dann gespannt verfolgen, wie Nelsons Drogensucht fast das gesamt Springersche Vermögen in Nichts auflöst.
Beeindruckend ist, dass trotz Rabbits zahlreicher Affären die Ehe nie wirklich gefährdet ist. Rabbit versucht zwar immer wieder durch Fluchtversuche und Affären seinem langweiligen, vorbestimmten Leben zu entfliehen, aber letztendlich ist es die Bequemlichkeit, die ihn immer wieder vor dem entscheidenden Schritt und der endgültigen Trennung zurückhält.
Und letztendlich macht Harry Angstrom ja auch immer genau das, was er will und wirkt glücklich, weil er sich über sein Handeln nie wirklich Gedanken zu macht.
Trotzdem hat alle Bequemlichkeit am Ende eine Konsequenz. Am Schluß des vierten Romans fordern sein unsteter Lebenswandel und die vielen überflüssigen Pfunde ihren Tribut: Rabbit stirbt im Alter von 56 Jahren. Nicht, ohne vorher noch einmal die letzte Flucht seines Lebens unternommen zu haben, nachdem sein Fehltritt mit der eigenen Schwiegertochter bekannt geworden ist.
Obwohl Rabbit im 5. Band bereits tot ist, ist seine Anwesenheit trotzdem ständig zu spüren, überlagert seine Persönlichkeit immer noch das Leben seiner Mitmenschen.
Fazit: Was hier klingt wie Sodom und Gomorrha für Arme sind 5 unterhaltsam geschriebene Romane, die einem das amerikanische Lebensgefühl näher bringen und die trotz der tragischen Ereignisse immer wieder zum Schmunzeln verleiten.
Was bleibt, ist die heimlich Bewunderung für einen Menschen, der trotz diverser Katastrophen nie den Spaß am Leben verloren hat und der wahrscheinlich glücklich war, weil er sich selbst nie analysiert und in Frage gestellt hat.
Braucht also jeder Mensch zum Glücklichsein nur ein bisschen was von Rabbit?
Zwei Tage auf der IFA in der Berlin…
September 2, 2008…ergeben:
- 3 Tage voller Selbstmitleid im Bett rumliegen (nachdem man in Berlin Bekanntschaft mit einem der fiesesten Viren der letzten zehn Jahre gemacht hat)
- die Toilette aus einer völlig neuen Perspektive kennenlernen
- freiwillig Kamillentee trinken
- freiwillig Haferflocken essen

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