Miesmach-Nerv

Journalisten können einem echt das Leben vermiesen. Das darf ich sagen, weil ich auch gelernter Redakteur/Journalist bin, nur leider nicht beim Spiegel oder einem anderen Blatt arbeite, dass für die tägliche Stimmung im Land verantwortlich ist.

Heute Morgen schleppte ich mich zähneklappernd ins Büro (in der letzten Woche hatten wir in München noch ca. 28 Grad, heute Morgen waren es gefühlt 0 Grad!) und surfte wie an fast jedem Morgen kurz bei spiegel.de vorbei.

Als ich nach ca. 10 Sekunden das beklemmende Gefühl bekam, dass die ganze Weltwirtschaft kollabiert, dass übermorgen niemand mehr meine Arbeitskraft braucht und ich mir spätestens zu Weihnachten einen Platz an der Münchner Tafel suchen muss, um etwas Warmes zu Essen zu bekommen, habe ich beschlossen, den Browser für heute zu schließen und keine Nachrichtenseiten mehr anzusurfen.

Das habe ich natürlich nicht lange durchgehalten. Heute Mittag bot spiegel.de leider immer noch kein anderes Bild.

Schlagzeile 1: Steinbrück droht KfW mit Konsequenzen nach Millionenüberweisung an Pleitebank

Schlagzeile 2: Angeschlagene Großbank HBOS sucht Retter

Schlagzeile 3: „Die Finanzkrise wird auf die Wirtschaft übergreifen“

Für das verseuchte Milchpulver in China oder eine Tonschale, die angeblich Jesus Chrisus gehört haben soll, bleibt leider kein Platz mehr auf dem Schlagzeilentreppchen. Und wahrscheinlich würde es der Absturz der Spanair-Maschine heute auch nicht mehr auf Seite 1 schaffen.

Irgendwie bizarr: Da verspekulieren sich ein paar habgierige Raffzähne um viele paar Milliarden Dollar und schon bricht die ganze Weltwirtschaft zusammen. Und damit sich alle gleichermaßen schlecht fühlen, wird man von morgens bis abends mit Panik-Artikeln zugeschüttet.

Ich finde, man sollte das Fernsehprogramm an die wirtschaftliche Katastrophenlage anpassen.

Vorschläge:

  • Bei Das pefekte Dinner dürfen die Kandidaten von nun an nur noch maximal 5 Euro für ein 3-Gänge-Menü für 5 Leute ausgeben. Wer nicht im Dunkeln sitzen will, muss seine Gäste überzeugen, abwechselnd auf einen vorher umgerüsteten Home-Trainer zu steigen und durch emsiges Trampeln für die nötige Stromversorgung zu sorgen. Idealerweise kann auch der Dickste der Runde diese Aufgabe für den kompletten Abend übernehmen.
  • Die Sendung mit der Maus verrät Strategien für das Überleben auf der Straße auch bei winterlichen Temperaturen und zeigt die besten Tricks, wie auch ganz arme Kinder im Kindergarten ganz leicht an teure Markenklamotten kommen.
  • Die neue Casting-Show heißt DSDSI = Deutschland sucht den Superinsolvenzler. Gewinner dieser Show ist, wer ein möglichst großes und gesundes deutsches Unternehmen als Geschäftsfüher in der kürzesten Zeit in die Insolvenz treibt und dabei für die größte Zahl an arbeitslosen Arbeitnehmern sorgt. Bonuspunkte gibt es natürlich auch für lange geheimgehaltene Schwarzgeldkonten und clevere Ideen bei der Steuerhinterziehung.

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4 Responses to Miesmach-Nerv

  1. Big M sagt:

    Wenn jetzt noch ans Licht kommt, dass Peter Zwegat 350.000 Euro Schulden hat (unbezahlte Handyrechnungen, Unterhaltsforderungen, Autokredite etc), dann bricht mein Weltbild komplett zusammen…

  2. jantarblog sagt:

    Hm, wahrscheinlich ist es viel schlimmer: Zwegat ist der Kopf eines ganz fiesen Inkasso-Unternehmens, das besonders gerne Menschen über 90 Lebensversicherungen verkauft… 😉

  3. Und das bei dem Wetter!
    Soll ich mal bei den Unterföhringer Bauern nachfragen, ob noch einer einen Stallburschen sucht, falls in MÜnchen die Medienklappe fällt?
    😉

  4. jantarblog sagt:

    Stallbursche klingt schon verlockend. Nach der Medienbranche wäre das ja fast wie Urlaub 😉

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