Wiesn mit Ekelfaktor

Draußen ist es einfach zu kalt, um Lust auf das Oktoberfest zu bekommen, aber dafür ist mir gerade eine Geschichte von einer der letzten Wiesn eingefallen, die mit Abstand das Lustigste/Widerlichste ist, was ich bisher dort erlebt habe.

Es war ein wunderbar sonniger Herbsttag, der sich wie ein Spätsommertag anfühlte. Ich war mit ein paar Freunden auf der Wiesn und wir hatten es geschafft, am Samstagnachmittag noch einen Platz draußen in der Sonne zu bekommen, direkt im Biergarten von einem der großen Festzelte. Wir saßen genau neben dem Zelteingang und von meinem Platz aus hatte ich einen perfekten Überblick über alle, die ins Zelt gingen oder aus dem Zelt kamen.

Das war ziemlich unterhaltsam, denn einige Wiesn-Besucher hatten natürlich bereits am Nachmittag echte Probleme mit der Koordination Ihrer Beine und Arme, stolperten mehr schlecht als recht ins Zelt hinein oder aus dem Zelt heraus.

Plötzlich glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen. Jemand in bester Wiesntracht (Leserhose und Karohemd) ging zielstrebig auf den Eingang zu und übergab sich dann mitten im Gehen. Völlig ansatzlos und ohne auch nur eine Sekunde beim Gehen zu stocken. Soweit ich das sehen konnte, hatte er es auch wirklich geschafft, sich nicht selbst zu treffen.

Während ich gleichzeitig mit einer Mischung aus absolutem Ekel und Faszination kämpfte – fasziniert deshalb, weil ich das Gefühl hatte, dass er gar nicht gemerkt hatte, was passiert war – war besagter Mensch auch schon im Zelt verschwunden.

Was blieb war eine unappetitliche Lache, die aber zum Glück relativ schnell mit Sägespänen überdeckt wurde.

Es vergingen ungefähr 10 friedliche Minuten. Dann kamen zwei Italiener (für Nicht-Bayern: das zweite Wiesnwochenende ist traditionell fest in italienischer Hand) aus dem Zelt gewankt. Beim Versuch des einen, die Sonnenbrille, aus dem Haar auf die Nase zu schieben fiel diese in Sägespän-Masse. Ehrlich: Ich hätte ihm eine Warnung zugerufen, aber er war schneller. Viel schneller, als ich das augrund des Wankens erwartet hätte, hatte er sich schon gebückt und die Brille wieder ins Haar geschoben.

Dass ich kreischend aufgesprungen bin und gleichzeitig zwischen Lach- und Ekelanfallen hin und her gerissen war, ist eigentlich kein Wunder oder?

Auf jeden Fall habe ich beschlossen, das ich mich nie wieder so hinsetze, dass ich den Zelteingang im Blick habe.

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3 Responses to Wiesn mit Ekelfaktor

  1. Sollte noch einmal jemand fragen, warum ich nicht auf die Wiesn gehe, werde ich auf diesen Bericht hier verweisen – herzlichen Dank!

  2. jantarblog sagt:

    Danke, dann war mein Leiden ja nicht umsonst 😉 Die Geschichte hat aber noch was Gutes: Sie ist echt abschreckend! Seit ich das gesehen habe, überlege ich mir noch einmal mehr, ob ich wirklich noch ein Bier mehr trinken möchte oder lieber auf alkoholfrei umsteige.
    Was ich in diesem Jahr bisher gesehen habe, macht wirklich wenig Lust aufs Oktoberfest: Wenn ich morgens von der U-Bahn zur Arbeit gehe, treffe ich schon die ersten Wiesngeschädigten. Ich frag mich echt, ob die auf der Theresienwiese schlafen…

  3. Theo2 sagt:

    Die Wiesn wird nicht nur jedes Jahr teurer, sondern auch schlechter!

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