Einfach mal abschalten

November 20, 2008

Wenn ich mich abends vor den Fernseher setze, tue ich das nicht, weil ich mich geistig weiterbilden will, sondern weil ich zu müde zum Lesen, Denken, Joggen oder einer anderen sinnvollen Beschäftigung bin. Gestern Abend war ich zusätzlich auch nur mäßig gut gelaunt. Und so beschloss ich, meine schlechte Laune richtig auszuleben und „Raus aus den Schulden zu gucken“. Das ist die Serie, bei der der Schuldnerberater Peter Zwegat in akribischer Kleinarbeit die Ausgaben der Schuldnerfamilie auf einem Flipchart zusammenzählt, um dann festzustellen, was der Familie noch nie aufgefallen ist: Die Ausgaben sind deutlich höher als die Einnahmen. Womit diese Sendung doch einen Bildungsanspruch hat: Sie erklärt das Zustandekommen von Schulden…

Ich kam dann auf die glorreiche Idee, diese Serie in der Masochisten-Variante anzugucken, d.h.: die komplette Sendung sehen, ohne vorher den Fernseher auszumachen oder umzuschalten. Was ist schließlich schon eine Stunde gemessen an der gesamten Lebenszeit?

Beim ersten Blick auf die Schuldnerfamilie war klar, dass 60 Minuten sehr lang werden können. Die Schuldnerfamilie waren: Eine ständig kichernde Wuchtbrumme, ein unscheinbarer Familienvater mit rumänisch-deutschen Eltern und zwei bedauernswerte Kinder.

Während er Tag für Tag für nur 1000 Euro netto arbeiten geht, hat seine gut genährte Ehefrau einen wirklich anstrengenden Powertag vor sich: ausschlafen – rauchen – Kinder vor den Fernseher setzen – Fastfood essen gehen – rauchen – am Computer spielen – schlafen – rauchen – essen.

Da bleibt natürlich kaum Zeit für Freizeit und so angenehme Dinge wie putzen oder sich einen Überblick über die finanzielle Situation zu verschaffen.

Irgendwann zog mein Hirn dann doch die Notbremse. Ich schlief auf dem Sofa ein und bekam nicht mit, ob sich am „spannenden“ Alltag der Familie etwas änderte. Ich vermute eher nicht.

Was mich im Nachhinein aber noch mehr erschreckt als diese Familie sind die Menschen, die vor dem Fernseher hocken. Natürlich kann es bei einem Volk von ca. 85 Millionen nicht nur intelligente Menschen geben. Aber was treibt jede Woche 3 bis 4 Millionen Menschen vor den Fernseher? Ist das die Freude über die Dummheit anderer Menschen? Eine Art morbider Faszination?

Ich fand’s gestern auf jeden Fall ähnlich unterhaltsam wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Und bewundere aufrichtig Peter Zwegat: Wie schafft dieser Mann es nur, so höflich und leise zu bleiben?

 

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Kinotipp: Willkommen bei den Sch’tis

November 12, 2008

Ja, ein bisschen mühsam ist es schon, telefonisch Karten für den Film zu reservieren. Dafür wird man aber auch mit einem rundum netten Gute-Laune-Film belohnt. Der Film wird in Deutschland übrigens so beworben: „Über 20 Millionen Franzosen können sich nicht irren“. Natürlich bin ich da sofort gewillt zu sagen; „Doch!“ – aber in diesem Fall wäre Kritik wirklich unangebracht.

Worum geht’s?

Philippe Abrams (Kad Merad) ist Filialleiter eine kleinen Postfiliale in der Provence und hilflos den Launen seiner Ehefrau ausgesetzt. Diese will an die sonnige Cote d’Azur, aber mit der Versetzung will es einfach nicht klappen. Um seinem Glück etwas auf die Sprünge zu helfen – und weil ihm ein körperlich behinderter Mensch gerade eine Position knapp vor der Nase weggeschnappt hat – gibt sich Abrams beim nächsten Versetzungsgesuch als Rollstuhlfahrer aus.

Alles scheint gut zu gehen. Der eigens angereiste Kontrolleur glaubt ihm (sehr lustig, wie Abrams den für den Fall einer Kontrolle gekauften Rollstuhl in allerletzter Sekunde aus der Folie reisst und aufbaut!) und alles wäre gut, wenn er nicht zum Schluss doch noch einen fatalen Fehler begehen würde.

Als Konsequenz gibt es eine Strafversetzung in den unbeliebten Norden, genauer gesagt, nach Bergues, einer Kleinstadt irgendwo in der Nähe von Lille. Frau und Kind sind wenig begeistert von der Versetzung und bleiben erst mal in der Provence, während sich Abrams alleine in den kalten Norden aufmacht.

Dort lernt er auf spektakuläre Art seinen neuen Kollegen Antoine Bailleul (Dany Boon) kennen – und versteht kaum ein Wort, von dem was dieser ihm erzählt. Missverständnisse bleiben da natürlich nicht aus. Doch trotz diverser Sprachprobleme läuft dann alles besser als gedacht: Die Postleute akzeptieren ihren neuen Chef und nach zwei Wochen wirkt es so, als wenn sich alle schon ewig kennen würden. Fast schon etwas trauig fährt Abrams dann übers Wochenende wieder nach Hause.

Als seine Frau ihm nicht glaubt, dass alles viel besser als erwartet ist, erzählt ihr Abrams genau das, was sie hören will und beschreibt seine neuen Kollegen als einen haufen disziplinloser Barbaren. Von nun an wird sein Leben immer besser: Zwei entspannte Wochen in der Arbeit mit netten Kollegen und am Wochenende eine liebende Frau, die sich rührend um ihn sorgt.

Dumm nur, dass seine Frau bald schon beschliesst, ihm in den kalten, grauenhaften Norden zu folgen…

Ein Highlight des Film ist auf jeden Fall die Sprache. Während in den franzöischen Originalversion der „Ch’ti“-Dialekt (auch „Picard“ genannt ) verwendet wird, hat der deutsche Verleih Prokino für die deutsche Synchronisation eine Kunstsprache entwickelt. Bei dieser werden beispielsweise alle „S“-Lauten wie „Sch“ gespochen, also aus dem Wort „Bus“ ein „Busch“ wird. Ebenfalls nett sind auch die zahlreichen neugeschaffenenen Worte: „Blödbommel“ steht für Idiot, „Braunkack“ für „Scheiße“.

Wer den Film noch nicht gesehen hat: Unbedingt ansehen!


Viel Schotter in mickriger Zeit

November 8, 2008

Da soll mal einer sagen, Spam-Mails wären immer gleich…

Bin mal gespannt, wie viele Varianten ich zu dem Thema noch bekomme.


Viel Cash in fipsiger Zeit

November 4, 2008

Mails mit dieser Betreffzeile kann ich momentan circa 2 Mal die Woche bestaunen.

„Viel Cash“ ist auf jeden Fall nicht falsch zu verstehen. Nur mit der fipsigen Zeit habe ich so meine Verständnisprobleme. Wir hatten früher einmal einen graugetigerten Kater, der Fips hieß. Nur hatte Fips überhaupt kein Interesse an Zeit. Er war weder langsam noch schnell und Zeit war für ihn nur insoweit ein Begriff, als dass er morgens und abends pünktlich auf sein Fressen bestand. Dafür nieste Fips, Kosename Fipsi, gerne und ausdauernd.

Da ich davon ausgehe, dass die dämlichen (sorry!) Spammer nicht meinen leider bereits verstorbene Kater kennen, kann ich nur Folgendes vermuten: Sie benutzen eine der vielen Übersetzungs-Webseiten im Internet!

Was hatten wir früher für eine lustige Zeit in der Redaktion, als Babel Fish (http://de.babelfish.yahoo.com/) noch in den Kinderschuhen steckte. Mittlerweile funktioniert Babel Fish zwar immer noch nicht so, dass man die Übersetzung verwenden kann, aber irgendwann wird’s auch langweilig, über lustige Übersetzungsfehler zu lachen.

Also, Ihr Nerv-Spammer: Ich wünsche Euch weiterhin eine fipsige Zeit und wenn ich Euch irgendwann mal in die Finger kriege, gibt’s fipsig was auf die Nase!


Garmin lernt schwimmen

November 4, 2008

Der Forerunner 305 von Garmin ist ein ideales Trainings-Tool für jeden Läufer: Das GPS-Gerät im Uhrformat zeigt die gelaufenen Kilometer und die Durchschnittsgeschwindigkeit misst den Puls und vieles mehr.

Und seit gestern habe ich dem Sport-Tool noch eine neue Funktion entlockt, die so geheim ist, dass sie noch nicht einmal im Handbuch steht: Garmin Forerunner kann schwimmen!

Wie ich das herausgefunden habe?

Laufschuhe anziehen, beim Blick auf den Wäschekorb feststellen, dass dieser geleert werden will, Wäsche schnell in einen Korb stopfen, rauslaufen, den Forerunner in der Eile fast vergessen und schnell noch auf die Wäsche schmeißen (so was vergisst man ja schließlich nicht!), in den Keller gehen, an irgendetwas Wichtiges denken,  Wäsche in die Waschmaschine werfen, anmachen, in den Trockenkeller gehen und Handtücher abhängen, wieder zurück zur Waschmaschine gehen um den Korb mitzunehmen, als sich plötzlich folgende Frage im Hirn manifestiert: WO ist der Forerunner?

Nun gut, die Frage war leicht beantwortet: Der dreht gerade gemütlich seine Runden in der Waschmaschine.

Also blieb nur: schnellstens die Waschmaschine wieder ausmachen, hysterisch über die eigenen Dummheit fluchen, Waschmaschine öffnen, klatschnasse Wäsche in den Korb schmeißen, Garmin suchen und erst nicht finden und dann war er plötzlich da:

Nass, unzerkratzt…und immer noch funktionstüchtig!

Liebe Kinder: Falls Ihr das hier lest, bitte nicht nachmachen! Papa und Mama werden das nämlich nicht lustig finden…