Kinotipp: Willkommen bei den Sch’tis

Ja, ein bisschen mühsam ist es schon, telefonisch Karten für den Film zu reservieren. Dafür wird man aber auch mit einem rundum netten Gute-Laune-Film belohnt. Der Film wird in Deutschland übrigens so beworben: „Über 20 Millionen Franzosen können sich nicht irren“. Natürlich bin ich da sofort gewillt zu sagen; „Doch!“ – aber in diesem Fall wäre Kritik wirklich unangebracht.

Worum geht’s?

Philippe Abrams (Kad Merad) ist Filialleiter eine kleinen Postfiliale in der Provence und hilflos den Launen seiner Ehefrau ausgesetzt. Diese will an die sonnige Cote d’Azur, aber mit der Versetzung will es einfach nicht klappen. Um seinem Glück etwas auf die Sprünge zu helfen – und weil ihm ein körperlich behinderter Mensch gerade eine Position knapp vor der Nase weggeschnappt hat – gibt sich Abrams beim nächsten Versetzungsgesuch als Rollstuhlfahrer aus.

Alles scheint gut zu gehen. Der eigens angereiste Kontrolleur glaubt ihm (sehr lustig, wie Abrams den für den Fall einer Kontrolle gekauften Rollstuhl in allerletzter Sekunde aus der Folie reisst und aufbaut!) und alles wäre gut, wenn er nicht zum Schluss doch noch einen fatalen Fehler begehen würde.

Als Konsequenz gibt es eine Strafversetzung in den unbeliebten Norden, genauer gesagt, nach Bergues, einer Kleinstadt irgendwo in der Nähe von Lille. Frau und Kind sind wenig begeistert von der Versetzung und bleiben erst mal in der Provence, während sich Abrams alleine in den kalten Norden aufmacht.

Dort lernt er auf spektakuläre Art seinen neuen Kollegen Antoine Bailleul (Dany Boon) kennen – und versteht kaum ein Wort, von dem was dieser ihm erzählt. Missverständnisse bleiben da natürlich nicht aus. Doch trotz diverser Sprachprobleme läuft dann alles besser als gedacht: Die Postleute akzeptieren ihren neuen Chef und nach zwei Wochen wirkt es so, als wenn sich alle schon ewig kennen würden. Fast schon etwas trauig fährt Abrams dann übers Wochenende wieder nach Hause.

Als seine Frau ihm nicht glaubt, dass alles viel besser als erwartet ist, erzählt ihr Abrams genau das, was sie hören will und beschreibt seine neuen Kollegen als einen haufen disziplinloser Barbaren. Von nun an wird sein Leben immer besser: Zwei entspannte Wochen in der Arbeit mit netten Kollegen und am Wochenende eine liebende Frau, die sich rührend um ihn sorgt.

Dumm nur, dass seine Frau bald schon beschliesst, ihm in den kalten, grauenhaften Norden zu folgen…

Ein Highlight des Film ist auf jeden Fall die Sprache. Während in den franzöischen Originalversion der „Ch’ti“-Dialekt (auch „Picard“ genannt ) verwendet wird, hat der deutsche Verleih Prokino für die deutsche Synchronisation eine Kunstsprache entwickelt. Bei dieser werden beispielsweise alle „S“-Lauten wie „Sch“ gespochen, also aus dem Wort „Bus“ ein „Busch“ wird. Ebenfalls nett sind auch die zahlreichen neugeschaffenenen Worte: „Blödbommel“ steht für Idiot, „Braunkack“ für „Scheiße“.

Wer den Film noch nicht gesehen hat: Unbedingt ansehen!

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One Response to Kinotipp: Willkommen bei den Sch’tis

  1. Florian sagt:

    Danke für deinen sehr ausführlichen Beitrag. Ich habe auch einen verfasst und würde mich über einen Kommentar deinerseits sehr freuen.
    Viele Grüße

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