Wenn’s Taschengeld nicht reicht…

Ich hoffe, Ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest! Alle Münchner konnten sich über die Weihnachtsfeiertage über halbwegs gutes Wetter freuen und nachdem ich Geburtstag und Weihnachtsfeiertage ohne allzu große Gewichtszunahme hinter mich gebracht habe, sitze ich seit gestern wieder im Büro – mehr oder weniger alleine.

Und so fühle ich mich unweigerlich an Ludwig XIV. Ausspruch „L’Etat c’est moi“ (der Staat bin ich) erinnert: „La rédaction c’est moi!“

Dass das Fest der Liebe bereits wieder hinter uns liegt, konnte ich heute Morgen ganz gut in der S-Bahn beobachten: Während ich versuchte, mich auf mein Buch zu konzentrieren, drang plötzlich eine in den letzten Zügen des Stimmbruchs liegende Jungenstimme an mein Ohr: „Ja Mami, Papa hat gesagt, dass wir hinten einsteigen sollen.“

Ich versuchte, weiter zu lesen, aber die Stimme, die immer lauter ins Handy rief, ließ sich schwer überhören. Und so durfte ich mir den Rest des Gesprächs auch noch anhören:

„Mami, hast du noch mein Portemonnaie in Deiner Tasche?“

Pause und angestrengtes Zuhören, wie ich durch einen Blick zur Seite erkennen konnte.

„Du hast es nicht? Aber du hast es doch gestern eingesteckt und ich hab’s doch nicht wieder raus genommen.“

Wieder Pause.

„Nein, ich habe es noch nicht gesucht, ich dachte ja, dass es bei dir wäre.“

Pause. Man kann sich lebhaft vorstellen, was die Mutter am anderen Ende der Leitung für Vorhaltungen macht.

„Hm, kannst Du mir dann Geld leihen? Ich muss ja die Speicherkarte umtauschen und ich weiß nicht, ob die neue teurer als die alte ist.“

Pause, Pause. Die Vorhaltungen scheinen noch etwas länger zu werden. Und dann zum Abschluss:

„Okay, danke Mami. Dann bis gleich!“

Während ich noch neidisch dasitze und mir überlege, warum mir vor 20 Jahren nicht so blendende Ausreden eingefallen sind, um Geld zu erbetteln, höre ich auch schon eine zweite Jungenstimme anerkennend sagen: „Nicht schlecht.“

Dass da zwei Jungen sind, hatte ich bei dem kurzen Blick gar nicht gesehen. Dieser kurze Ausspruch führt auf jeden Fall dazu, dass Junge Nr. 1 nur ein verschämtes „Pscht“ von sich gibt. Erstaunlich: Erst wird ganz dreist gelogen, aber wenn es jemand mithören könnte, ist es dann doch wieder peinlich.

Eigentlich nur schade, dass Mami oder Papa nicht in Hörweite gesessen haben…

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4 Responses to Wenn’s Taschengeld nicht reicht…

  1. Big M sagt:

    Vielleicht lesen es ja Mami oder Papi – und dann gibt’s saures 😉

    so long
    Big M

  2. EIn solchen Momenten ist man froh, wenn man keine Kinder hat – wengistens wird man nicht so dreist beschissen.

  3. jantarblog sagt:

    Naja, ich hoffe, dass „Mami“ ihr Kind gut genug kennt und ihm die Geschichte auch nicht abgenommen hat…

  4. Suse sagt:

    Wahrscheinlich muss man als Eltern heutzutage schon froh sein, wenn die Kinder nur lügen.

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