Wie man den Messenger-Fluch bekämpft

Früher, als ich Kind war, war das Leben einfach. Da gab es nur 5 Fernsehprogramme: ARD, ZDF, NDR 3 (oder wie auch immer der hieß) und DDR 1 und DDR 2 (ja, so was gab’s, wenn man nur ca. 25 km weit von der innerdeutschen Grenze entfernt wohnte). Diese 5 Fernsehprogramme liefen auf einem Schwarzweiß-Fernseher, der natürlich keine Fernbedienung hatte. Deshalb war das Wort „zappen“ auch noch nicht erfunden. Auf diesem Fernseher liefen Serien, bei denen man nicht eine Folge verpassen wollte, wie zum Beispiel Captain Future, Die Waltons, Flipper etc. Weihnachten lief immer irgendwas mit Patrick Bach.

Zum Telefonieren nutzte man das Telefon mit Wählscheibe in den Farben ätzend-organge oder hässlich-grün der Deutschen Post Telefoniert wurde nur, wenn man auch etwas zu sagen hatte.

Irgendwann kam dann der erste Farbfernseher mit Fernbedienung. Auf dem Fuße folgte das Privat-Fernsehen. Dieses brachte dann so unsägliche Serien wie Knight Rider auf den Fernsehschirm. Ja, ich fand Knight Rider schon damals grausam!

Telefone mit Wählscheibe waren langsam out. Dafür gab es dann Tastentelefone in allen erdenklichen Farben und Formen. Ich war zum Glück endlich alt genug, um ein eigenes Telefon zu bekommen (was durch die Tatsache begünstigt wurde, dass mein Zimmer unter dem Dach war und ich meine Eltern wegen der laut aufgedrehten Musik nie hören konnte). Das Telefon war knallbunt, leicht durchsichtig und von der Uhrenfirma Swatch (Gibt es Swatch eigentlich noch??). Telefoniert wurde immer, egal, ob man etwas zu sagen hatte oder nicht.

Heute ist irgendwie alles anders. Mein Telefon ist nicht mehr von Swatch, sondern von irgendeiner Telekom-Firma. Meistens wird es von mir benutzt, wenn ich in meinem Büro sitze. Dann klingelt es an manchen Tagen pausenlos, weil es einen Haufen Jobs gibt, in denen Menschen scheinbar nichts anderes zu tun haben, als andere Menschen via Telefon zu quälen. Alternativ erfolgt die Bombardierung via Mail.

Im Fernsehen laufen viele Sendungen, die einem das Gefühl geben, dass Deutschland ein Land voller Dummköpfe ist. Leider ist das Ganze dazu noch un-unterhaltsam.

Und als wenn das alles noch nicht genug wäre, musste dann Instant Messaging erfunden werden. Das Perfide an Tools wie ICQ ist, das sie immer anzeigen, dass man vor dem PC sitzt und erreichbar ist. Kaum vergisst man, den eigenen Status auf „Abwesend“ zu setzen, also so zu tun, als wenn man nicht da wäre, beginnt das ICQ-Fenster hektisch aufzupoppen. Begleitet von einem supernervigen Geräusch, das an ein kleines Tier erinnert, das man versehentlich getreten hat.

Natürlich kann man sich aussuchen, wem man seine Instant-Messaging-Daten gibt, theoretisch. Manchmal gibt man sie aber auch Leuten, mit denen man beruflich zu tun hat oder Personen, die man nicht so richtig mag (wenn einem keine gescheite Ausrede für eine Daten-Verweigerung einfällt) oder ein Freund oder Bekannter gibt arglos die Kontaktdaten weiter, weil er/sie glaubt, dass man sich darüber freut.

Was auch immer der Grund sein mag: Irgendwann hat jeder Kontakte, die er nicht haben will. Und das sind dann seltsamerweise immer die Personen, die einen ständig anchatten. Sogar dann, wenn man offline ist.

Aber ich habe jetzt die Lösung: Einen neuen ICQ-Account bei dem ich die Kontaktdaten ganz für mich behalte.  Schade, dass ich darauf nicht schon eher gekommen bin…

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18 Responses to Wie man den Messenger-Fluch bekämpft

  1. Simon sagt:

    Das kenne ich….Skype, ICQ, MSN, verschiedene Mailadressen (bei jedem Providerwechsel eine neue..und die obligatorischen von gmx 😉 ), dann die PN Benachrichtigungen in diversen Foren, Facebook, Xing, stayfriends..seit kurzem dieses unsägliche Twitter…uaaaaaaaahhhhhhhhhhh

  2. jantarblog sagt:

    Ja, da kann man sich nur noch vor seinen Posteingang setzen und zusehen, wie die Malis reinkommen. Twitter ist aber meiner Meinung nach das Überflüssigste – auch wenn alle Medienexperten Twitter für was ganz Tolles halten…

  3. Simon sagt:

    Da ich mir als guten Vorsatz für 2009 eine radikale Reduzierung der Online Zeit auferlegt habe (naja…im privaten Bereich halt….und im Augenblick sitze ich ja noch am Schreibtisch im Büro 🙂 ) habe ich mich bei vielen Diensten Neujahr in bierseeliger Laune einfach ausgeklinkt, Twitter habe ich, *gottseidank*, noch nie benutzt. Und mangels Interesse bisher auch noch nicht kapiert wo der weltbewegende Unterschied (SMS Funktionalität jetzt mal ausgeklammert) zu anderen Diensten liegen soll…..
    Toll ist was anderes!

    By the way….was mache ich jetzt eigentlich mit meiner ganzen (wieder)gewonnen Freizeit 😉

  4. Die 5 Programme kenne ich auch noch. Nur von der anderen Seite der Grenze. 🙂

  5. jantarblog sagt:

    @Simon: Online-Zeit reduizieren ist natürlich hart…aber ich vermute, dass Du in der Arbeit eine schnelle Standleitung hast oder? 🙂
    Für die wiedergewonnen Freizeit hätte ich ein paar Vorschläge:
    – Jantarblog lesen
    – Meine Steuererklärungen machen

    Nein, das war nicht ernst gemeint 😉

  6. jantarblog sagt:

    @rolandschwarzer: Welche andere Seite der Grenze meinst Du?

  7. Die Ostseite natürlich.

  8. […] habe ich gelernt, daß es inzwischen offenbar deutlich grausamere Erfindungen gibt. Ein Glück, daß ich so etwas nicht haben […]

  9. jantarblog sagt:

    @rolandschwarzer: Okay, jetzt hab ich’s auch verstanden… 😉 Ich hab Deine Antwort auf die Kommentare bezogen und dachte Du meinst Skype etc. – ja, ich weiß, die Zahl 5 passt dann auch nicht 😉

    Auf jeden Fall waren das noch schöne Fernsehzeiten – alles (fast) werbefrei 🙂

  10. Simon sagt:

    Das mit dem lesen Deines blog: Kein Problem, schaue hier gerne mal öfters rein, gefällt 🙂
    Und das mit der Steuererklärung…..wenn Du Wert darauf legst Steuerrückzahlungen ohne Anspruch auf eine Haftstrafe zu bekommen….lieber nicht 😉

  11. Simon sagt:

    Ach ja….die 5 Fernsehsender…my Favorite war Captain Future..und auf DDR1 bzw. gaaaaanz früher immer das Sandmännchen :-)..oder war`s DDR2?

  12. jantarblog sagt:

    Danke für das Lob, da werd ich ja ganz rot 😉 Ne, bitte keine Haftstrafe (das lohnt bei den paar Euro, die ich zurückbekomme, einfach nicht).

    Sandmännchen hab‘ ich auch immer geguckt – und danach musste ich ins Bett 😦 Ich glaube fast, das kam auf DDR2, aber beschwören würde ich’s nicht. Es war aber auf jeden Fall viel lustiger als das West-Sandmännchen. Die Melodie habe ich heute noch manchmal im Kopf.

    Captain Future liegt gerade in meinem Büro :-), hat mir ein Kollege mitgebracht. Ist schon seltsam, wenn man das nach so vielen Jahren wieder sieht…

  13. Simon sagt:

    Ja..seltsam ist das schon…und es ist nicht immer ein positives déjà-vue. Schon merkwürdig wie verklärt der Mensch Vergangenes manchmal in Erinnerung behält 🙂 Manche Dinge sollte man einfach in guter Erinnerung behalten und ruhen lassen 😉

  14. Suse sagt:

    Ich habe Captain Future als Kind auch geliebt, mitlerweile bin ich wohl zu alt dafür. Aber die Musik ist und bleibt einfach spitze 🙂

  15. jantarblog sagt:

    @Simon: Du hat absolut recht! Captain Future ist echt nicht mehr das, was es mal war…aber

    @Suse hat auch recht: Die Musik mag ich immer noch

  16. Simon sagt:

    Das stimmt…höre ich auch noch gerne..(gerade ausprobiert,den Soundtrack habe ich noch auf CD) 😉

  17. parkverbot sagt:

    Ja, die Musik von Captain Future war und ist genial. Die stammte übrigens von einem Deutschen, Christian Bruhn. Beim japanischen Original benutzten Sprache und Musik die gleiche Tonspur. Deswegen musste für die deutsch Synchronisation auch neue Musik her. Und so kam es zu diesem obercoolen Soundtrack…

  18. jantarblog sagt:

    So, jetzt habe ich die Musik auch endlich wiedergefunden 🙂 – und finde sie noch genauso gut wie früher (was man von der Serie leider nicht sagen kann 😦

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