Wiesn schizophren

September 30, 2009

Einmal im Jahr dürfen sich in München alle hemmungslos betrinken. Die einen können das besser – zum Beispiel biererprobte Bayern – die anderen weniger gut – zum Beispiel die Heerscharen an Italienern, die Oktoberfestbier für Dünnbier halten. Oktoberfestbier für Dünnbier zu halten, ist übrigens ein Fehler, den auch Niedersachsen gerne machen (mich eingeschlossen), aber zum Glück habe ich diesen Fehler nur einmal gemacht.

München befindet sich also – alkoholtechnisch gesehen – einmal im Jahr im Ausnahmezustand. Wenn man, wie ich, direkt an der Theresienwiese arbeitet, kann man während der zweiwöchigen Oktoberfestzeit den einen oder anderen Menschen mit Kontrollverlust erleben. Was manchmal sehr lustig ist, meistens aber einfach nur nervt.

In diesem Jahr sind mir morgens und abends zum Glück relativ wenig Alkoholleichen über den Weg gelaufen. Dafür habe ich ab Montag dieser Woche das Gefühl, in einem Hochsicherheitstrakt zu arbeiten. Wenn ich aus der U-Bahn komme, laufe ich direkt schwarzgekleideten Polizisten (wahrscheinlich von der Bundspolizei oder irgendeiner Sondereinsatztruppe) in die Arme. Im Unterschied zu normalen Streifenpolizisten kann man den durchtrainierten Körper trotz Uniform und schutzsicherer Weste erkennen.

Wer im Moment das Pech hat, mit dem Auto in die Nähe der Wiesn zu müssen, wird von der Polizei akribisch unersucht. Und zwar Auto für Auto, ohne Ausnahme. Das führt natürlich zu einem Mega-Verkehrschaos. Und wahrscheinlich auch dazu, dass potenzielle Terroristen jetzt doch keinen Bock mehr auf einen Anschlag haben. Denn Al-Kaida hat mit Sicherheit auch keine Lust, im Stau zu stehen. Außerdem stellt sich ja auch die Frage, ob der Al-Kaida-Mob überhaupt im Besitz eines Autos ist. Obwohl: Nach der Abwrackprämie bestimmt.

Auf jeden Fall nervt der Sicherheitsring rund ums Oktoberfest langsam ganz gewaltig. Den ganzen Tag lang höre ich entweder Sirenen oder das fröhlichen Kreischen der Wiesnbesucher – Wiesn schizophren eben…

Wäre ich der Hauptdarsteller in einem Hollywood-Film, würde wahrscheinlich genau jetzt eine vom Mossad auf dem Oktoberfest platzierte Bombe explodieren. Natürlich würde der Mossad dafür sorgen, dass alle Al-Kaida für den Täter halten würden. Und während sich die Menschheit auf den Dritten Weltkrieg vorbereitet, würde ich schnell mit E.T. telefonieren und darauf warten, dass ich nach Hause telefoniert werde…

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Jantarblog darf nicht sterben

September 28, 2009

Gut, ich gebe es ja zu: Ich habe wirklich darüber nachgedacht, ob ich Jantarblog einen friedlichen Internet-Tod sterben lassen soll. Aber eigentlich kann ja dieser arme Blog nichts dafür, dass mir die Medienkrise langsam so auf den Keks geht (dieser Ausdruck war in den 80er Jahren mal modern, wirklich!), dass ich mich kaum noch motivieren kann, außerhalb meiner Arbeit noch freiwillig Texte zu schreiben

Aber nachdem ich nun einige empörte Mails bekommen habe, die mich froh sein lassen, dass meine Identität nicht bekannt ist, versuche ich meine Schreibunlust dann doch noch in den Griff zu bekommen. Oder um es mit Bernhard Grzimek Worten zu sagen: Jantarblog darf nicht sterben.

Für letzte Woche habe ich außerdem eine gute Ausrede: Krank im Bett. Deshalb gibt’s von letzter Woche auch nicht viel zu erzählen außer: Sonne nervt, wenn man im Bett liegt und nicht raus kann/will

Alle Wiesn- (Oktoberfest) Besucher können sich dagegen freuen: So gutes Wetter gab’s zur Wiesn schon lange nicht mehr. Dafür gab es auch selten so ein Chaos im Zusammenhang mit dem Oktoberfest. Ich arbeite ja direkt an der Theresienwiese, auf der das Oktoberfest stattfindet und war so nahe, dass ich das Kreischen der Leute, die sich in irgendwelche fiesen Achterbahnen trauen, hören kann. Heute Morgen war ich wirklich froh, dass ich mit der U-Bahn gekommen bin. Denn rings um die Wiesn hatte die Polizei alles abgesperrt und kontrollierte wirklich Auto für Auto. Anscheinend gab es Terrorwarnungen, die ziemlich ernst genommen werden. Da die Theresienwiese relativ Innenstadt-nah liegt, führte das natürlich zu einem Mega-Verkehrschaos in der Rush-Hour.

Tipp für alle, die mit dem Auto in München unterwegs sind: Wiesn so weiträumig wie möglich umfahren. Aber bitte nicht alle auf U-/S-Bahn umsteigen, ich will heute Abend nämlich nicht wie eine Ölsardine eingezwängt in der Bahn stehen 😉


Alkohol macht nett

September 1, 2009

Ich habe gerade beschlossen, dass ich die Nase voll vom Schreiben irgendwelcher Konzepte habe und statt dessen diesen Blog aus der Sommerpause erwecke.

Und das tue ich mit einem unfreiwillig komischen Beitrag, auf den ich gerade beim Surfen gestoßen bin. Die Braunschweiger Zeitung, Lokalredaktion Wolfenbüttel berichtet über Jugendliche, die wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden sind. Für eine Lokalredaktion ist das kein besonders aufregender Artikel, prügelnde Jugendliche sind ja mittlerweile anscheinend an der Tagesordnung.

Stilistisch schlecht und dadurch unfreiwillig komisch finde ich dann allerdings den letzten Absatz, den ich hier originalgetreu zitiere:

„Für die Angeklagten habe gesprochen, dass sie zur Tatzeit alkoholisiert waren, die Taten gestanden und sich entschuldigt hätten. Seit dem Abend im April seien sie nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten. Beide hätten zudem verhängte Auflagen ordnungsgemäß erfüllt“ (hier geht’s zum kompletten Artikel).

Ich finde es auch immer eine ganz hervorragende Eigenschaft, wenn Menschen alkoholisiert sind. Das macht echt sympathisch und spricht wirklich für die betreffenden Personen…vielleicht hat der Redakteur aber auch nur versucht, Pluspunkte bei Jägermeister zu sammeln. Schließlich kommt der Kräuterlikör ja auch aus Wolfenbüttel.