Wiesn schizophren

Einmal im Jahr dürfen sich in München alle hemmungslos betrinken. Die einen können das besser – zum Beispiel biererprobte Bayern – die anderen weniger gut – zum Beispiel die Heerscharen an Italienern, die Oktoberfestbier für Dünnbier halten. Oktoberfestbier für Dünnbier zu halten, ist übrigens ein Fehler, den auch Niedersachsen gerne machen (mich eingeschlossen), aber zum Glück habe ich diesen Fehler nur einmal gemacht.

München befindet sich also – alkoholtechnisch gesehen – einmal im Jahr im Ausnahmezustand. Wenn man, wie ich, direkt an der Theresienwiese arbeitet, kann man während der zweiwöchigen Oktoberfestzeit den einen oder anderen Menschen mit Kontrollverlust erleben. Was manchmal sehr lustig ist, meistens aber einfach nur nervt.

In diesem Jahr sind mir morgens und abends zum Glück relativ wenig Alkoholleichen über den Weg gelaufen. Dafür habe ich ab Montag dieser Woche das Gefühl, in einem Hochsicherheitstrakt zu arbeiten. Wenn ich aus der U-Bahn komme, laufe ich direkt schwarzgekleideten Polizisten (wahrscheinlich von der Bundspolizei oder irgendeiner Sondereinsatztruppe) in die Arme. Im Unterschied zu normalen Streifenpolizisten kann man den durchtrainierten Körper trotz Uniform und schutzsicherer Weste erkennen.

Wer im Moment das Pech hat, mit dem Auto in die Nähe der Wiesn zu müssen, wird von der Polizei akribisch unersucht. Und zwar Auto für Auto, ohne Ausnahme. Das führt natürlich zu einem Mega-Verkehrschaos. Und wahrscheinlich auch dazu, dass potenzielle Terroristen jetzt doch keinen Bock mehr auf einen Anschlag haben. Denn Al-Kaida hat mit Sicherheit auch keine Lust, im Stau zu stehen. Außerdem stellt sich ja auch die Frage, ob der Al-Kaida-Mob überhaupt im Besitz eines Autos ist. Obwohl: Nach der Abwrackprämie bestimmt.

Auf jeden Fall nervt der Sicherheitsring rund ums Oktoberfest langsam ganz gewaltig. Den ganzen Tag lang höre ich entweder Sirenen oder das fröhlichen Kreischen der Wiesnbesucher – Wiesn schizophren eben…

Wäre ich der Hauptdarsteller in einem Hollywood-Film, würde wahrscheinlich genau jetzt eine vom Mossad auf dem Oktoberfest platzierte Bombe explodieren. Natürlich würde der Mossad dafür sorgen, dass alle Al-Kaida für den Täter halten würden. Und während sich die Menschheit auf den Dritten Weltkrieg vorbereitet, würde ich schnell mit E.T. telefonieren und darauf warten, dass ich nach Hause telefoniert werde…

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2 Responses to Wiesn schizophren

  1. Störtebecker sagt:

    Wenn ich das hier lese bin ich wirklich froh, dass ich in Hamburg wohne und vom Oktobefest wirlich gar nichts mitbekomme. Ich war vor zwei Jahren mal auf dem Münchner Oktoberfest und kann mich nur noch an einen Haufen berunkener, randalierender Menschen erinnern. Zudem war das Aggresionspotenzial so hoch, dass ich froh war, die Wiesn ohne Maßkrug auf dem Schädel oder ähnliches verlassen zu können. Aber mein aufrichtiges Beileid aus der schönsten Stadt der Welt nach München 🙂

  2. jantarblog sagt:

    Ich bin auch nicht wirklich ein Wiesn-Fan, aber meist gefällt es mir dann doch, wenn ich erst mal da bin. Aber von alleine würde ich wahrscheinlich eher nicht hingehen.

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