Oliver Pott: Geld verdienen im Internet – oder so…

Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, wie wenig ich es zu schätzen weiß, wenn ich einen Text zweimal schreiben muss?

Aber nachdem ich lange darüber nachgedacht habe, ob ich Euch wirklich von meinem letzten Samstag erzählen soll, kann ich meiner geschwätzigen Seite nicht länger Einhalt gebieten. Und die will das unbedingt loswerden…

Als am Samstag um kurz nach 6h mein Wecker klingelte, war meine erste Reaktion: Draufhauen! Danach probierte ich es mit Ignoranz und redete mir selbst gut zu, dass es doch Schwachsinn sei, so früh aufzustehen. Ich hielt genau bis 6.24h durch. Dann hatte ich es geschafft, mich durch meine erfundenen Ausreden, warum ich nicht aufstehen konnte, endgültig wachzumachen.

Noch wacher wurde ich dann durch eine kalte Dusche und als ich um halb 8h die Wohnung verließ, fühlte ich mich fast wie ein Mensch. Wie ein Mensch allerdings, der bei Eiseskälte durch menschenleere Straßen schlurft. Die S-Bahn war dagegen erstaunlich voll. Ich fühlte mich an die Ikea-Werbung mit dem „Kein schönes Zuhause?“ erinnert…

Dann war da wieder dieses „WARUM??“ in meinem Kopf. Warum saß ich um diese Zeit in der S-Bahn? Weil mir ein ganz netter Mensch (der das Seminar auch besucht hat, aber nicht wie ich extra früh dafür aufgestanden ist!) von einem Seminar von Dr. Oliver Pott erzählt hat. Und in einem Anflug von 0.5-Sekunden-Wahnsinn hatte ich mir gedacht, dass ich mir das gerne mal anschauen würde. Da kannte ich auch die Agenda noch nicht und dachte, das Seminar wäre irgendwann nachmittags. Neugier kann manchmal ein Fluch sein…

Wer ist Oliver Pott? Dr. Oliver Pott hat früher eine Software-Kauf-Seite namens blitzbox.de betrieben. Diese wurde dann vom Distributor Avanquest gekauft, was Dr. Pott sicher nicht ärmer gemacht hat. Oliver Pott nutzte die Zeit danach, seine Erfolge im Web weiterzuvermarkten und startete mit founder.de ein neues Projekt. Als ich mir diese Seite das erste Mal sah, fühlte ich mich sofort an Butterfahrten und Heizdecken erinnert.

Um was es geht? Darum, wie jeder im Internet Geld verdienen kann. Und damit es auch jeder sofort sieht, empfängt einen die Starseite in folgender wenig augenschmeichelnder Formatierung:

Internet-Multimillionär zeigt in Gratis-Report (Wert: €19,95),
wie jeder €100.000 und mehr Geld im Internet verdienen kann –
und wie Sie wirklich JEDE Website zu einem finanziellen Erfolg machen

Ich verlinke hier absichtlich nicht direkt auf die Seite, damit es nicht so aussieht, als wenn ich Euch etwas aufschwatzen will. Das also hatte mich zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett getrieben…

Immer noch reichlich müde kam ich dann um kurz nach neun im noblen Hotel Softitel direkt neben dem Münchner Hauptbahnhof an. Und war wirklich erstaunt. Denn da stand eine Riesenschlange an Menschen, die anscheinend an einem Samstagmorgen nichts anderes zu tun hatte, als ein Seminar von Oliver Pott zu besuchen. Zu Ticketpreisen von mehreren hundert Euro. Die ich mir gespart hatte, weil ich netterweise eine Freikarte geschenkt bekommen habe.

Die nächsten Minuten waren seltsam. Mit dem Vorurteil gekommen, alles seltsam und unseriös zu finden, muss ich sogar zugeben: Oliver Potts Vortrag auf der Bühne war eigentlich ganz okay. Ich fasse den 2 Stunden Vortrag mal kurz mit meinen Worten zusammen:

1) Du musst eine Webseite mit einer eindeutigen Message online stellen. Meine Meinung: Ja, hilft bestimmt

2) Du brauchst eine gute Idee für eine Dienstleistung/Produkt. Möglichst was, was jeder will/braucht oder glaubt zu brauchen. Meine Meinung: Klingt nicht unvernünftig

3) Du brauchst eine gute URL und solltest SEO nicht vergessen. Meine Meinung: Klar, denn ohne Google kein Erfolg

4) Du solltest die Google-Analyse-Tools nutzen. Meine Meinung: Sicher! Wozu hat Google das ganze Zeugs wie Analytics und Co. sonst entwickelt…

5) Du musst Adressen sammeln, damit Du später potenzielle Kunden anmailen kannst. Meine Meinung: Erscheint logisch, denn: ohne Adressen keine Kunden

6) Zum Verkaufsstart brauchst Du ein fertiges Produkt/Dienstleitung. Meine Meinung: Och nö…arbeiten muss man da auch?

Vielleicht muss man das so sehen: Da sind ein paar Menschen, die keine Ahnung von SEO & Co. haben. Oliver Pott bereitet das alles so auf, dass es sogar der Dümmste kapiert – und kassiert dafür richtig Geld.

Ach übrigens: Ich würde auch gerne Geld im Internet verdienen. Natürlich, ohne etwas dafür tun zu müssen. Wenn Ihr vielleicht ein paar Euro übrig hättet, wüsste ich da ein interessantes Bankkonto, auf das Ihr gerne Geld überweisen könnt… 😉

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11 Responses to Oliver Pott: Geld verdienen im Internet – oder so…

  1. Wow! Du hast ein Bankkonto? Also dafür würde ich schon den oder anderen Euro… Moment! Du willst doch nur mein Geld! So nich mein freund

  2. Simon sagt:

    Tja…welchen Gegenwert würde ich denn bekommen? Was würde ich denn denken so dringend brauchen zu müssen (geiler Satz 🙂 ) damit ich freiwillig eine Krötenwanderung von meinem armseligen Sparkassenkonto auf Dein vermutlich gut gefülltes Konto veranlassen würde?? 😉

    Sapß beiseite…mir dämmert so langsam das es prinzipiell nicht immer die Idee oder die Information an sich ist, mit der man Geld verdienen kann…
    Was hätten wir mit den von Dir erwähnten Informationen angefangen? Sie zu Kenntniss genommen, sie für nutzbringend und sinnvoll gehalten…aber nie im Leben geglaubt das auch nur ein Mensch einen Euro dafür bezahlen würde…weil dies Informationen sind die man mit etwas Geduld, Fleiss und Grundkennnissen im Bedienen einer Internet Suchmaschine problemlos innerhalb weniger Stunden selber zusammengetragen hätte…..mal ehrlich..den meisten von uns wäre es peinlich bei einem bezahlten Vortrag mit derartigen Informationen aufzuwarten.
    Und was macht Herr Pott…er geht los und verkauft es den Leuten als die ultimative Anleitung um Geld zu verdienen..und das augenscheinlich mit Erfolg.
    Der Schlüssel zu selbigem? Eine gehörige Portion Unverfrorenheit, eine Herde zahlungskräftiger Schafe und einen Namen mit dem die Leute, und wenn auch nur entfernt, etwas anfangen könnten.

    Hast Du den verpassten Schlaf wenigsten bereut? 😉

  3. jantarblog sagt:

    @rolandschwarzer: Was heißt hier ein Bankkonto? Hunderte…nur erwischen darf mich niemand 😉

  4. jantarblog sagt:

    @Simon: Nein, bereut habe ich das frühe Aufstehen auf keinen Fall, weil es eine sehr seltsame, irgendwie surreal anmutende Erfahrung war, die ich da gemacht habe. Und ich musste mich ständig kneifen, damit ich nicht irgendwann zu lachen anfange 😉 Hat mir aber einmal mehr gezeigt, dass Menschen in der Masse nicht unbedingt zu den intelligentsten Lebewesen zählen…

  5. Suse sagt:

    Ich bin durch Zufall mal vor einiger Zeit über einen Oliver-Pott-Ratgeber im Internet gestolpert und fand das alles ziemlich unseriös. Aber die Blitzbox-Webseite war wirklch seine?

  6. Der Herr Zimmermann – ruhe er in Frieden hätte mit Herrn Pott bestimmt einen feinen Beitrag für „Vorsicht Falle! Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ geklöppelt.

  7. jantarblog sagt:

    @Suse: Ja, das Projekt hat er gemacht.

    @buchstaeblich: Etwas richtig Kriminelles wirst Du wahrscheinlich nicht nachweisen könen. Es sind halt lauter Gemeinplätze, mit denen er sein Geld verdient. Und es wird wohl immer Menschen geben, die glauben, wenn sie viel Geld ausgeben, brauchen sie ihr Hirn nicht mehr selbst anstrengen…

  8. spill sagt:

    Also ich würde ja jedweder WebFirma solch eine „WWW“-Adresse empfehlen.
    Dieses „WWW“ kommt cool und ist total IN gerade.
    Besonders bei der werberelevanten Zielgruppe der 3-97jährigen.
    So Webfirmen ohne dieses „WWW“ sind in der heutigen Informationsgesellschaft bald auf staatliche Subventionen angewiesen…

    Aber auch generell.
    Hier einige sehr erfolgreiche Referenzen :

    > DamenbindenWWW.kom
    > FlugreisenWWW.kom
    > SolariumWWW.kom
    > PartnervermittlungWWW.kom
    > ZschewapptschitschiWWW.kom
    > KohlroulladenWWW.kom
    > ExotischeZiehfischFiletsWWW.kom

    Nach umfangreicher IntensivMarktEvaluierung schneiderten wir kundenspeziehfische WWW-Konzepte(mit WWW) kreativmäßig zu.
    Unser Erfolg spricht für sich.
    Keiner unsere Kunden meldete sich jemals wieder, geschweige denn mit Reklamationen.
    Dieses spricht für unsere Effektivität/Kontinuität/Effizienz.

  9. jantarblog sagt:

    Ich sehe schon: Du hast sicher auch so ein Webseminar besucht 😉

  10. Timo sagt:

    Hm, netter Beitrag. Den Founder-Kram habe ich mir auch mal angeschaut, hat mir persönlich nicht so gut gefallen wie einige andere Seiten zum Thema.

  11. Robert sagt:

    Die Founder Info’s setzten zum Teil schon Traffic-Starke Seiten voraus

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