Jetlag für Arme

März 29, 2010

Irgendwie gemein. Da ist heute der erste Tag der Woche und ich fühle mich wie typisch Montag. Dabei hatte ich gar keinen schönen Sonntag, weil ich am Samstag etwas zu viel italienischen Rotwein erwischt habe (wichtiger Hinweis für alle U-20jährigen: ab einem gewissen Alter verträgt man Alkohol nicht mehr so gut und fühlt sich dann nach einem Glas so wie früher nach fünf Gläsern) und meinen Körper nicht davon überzeugen konnte, die Couch zu verlassen. Außerdem erlebe ich gerade so ein leichtes Revival der CeBIT-Grippe, so dass ich jetzt fast happy bin, wieder im Büro zu sitzen (naja…).

Irgendwie seltsam. Da ist es jetzt kurz vor 18h, der Feierabend rückt in greifbare Nähe und mein Körper glaubt a) nicht, das es schon so spät ist und b) will er nicht in den Feierabend, weil er dafür aufstehen müsste. Was schwierig ist, wenn man vor Müdigkeit fast vom Stuhl rutscht.  Zum ersten Mal seit ungefähr einem halben Jahr hat mich heute Morgen nämlich der Wecker geweckt. Danke, Sommerzeit! (Wer braucht die eigentlich noch?)

Sonst bin ich – senile Bettfluch sei Dank – immer schon vor dem Wecker wach. Heute leider nicht. Was richtig fies war, weil mein Wecker heute – vorsichtig geschätzt – die Lautstärke eines startenden Flugzeugs hatte. Was daran lag, dass irgendein ungemein netter Mensch (Ich!) am Samstag beim Staubwischen (ja, ich bin manchmal total altmodisch und putze) wohl gegen den Lautstärkeregler gekommen ist.

Ja, ich fürchte, heute hilft nur noch schlafen. Dabei müsste ich noch dringend eine grauenhafte PowerPoint-Präsentation fertig machen. Und das macht eindeutig weniger Spaß als Klo putzen (was auch schon zu meinen fünf unliebsten Beschäftigungen gehört).

Hoffe, Ihr hattet einen angenehmeren Wochenstart als ich…

Advertisements

Bin ich normal?

März 17, 2010

Ich hatte noch nie was mit Tieren und kleinen Kindern. Noch nicht mal in Gedanken. Wenn ich andere Menschen sehe, habe ich auch nicht ständig das Bedürfnis, sie wegen ihres Aussehens oder Geruchs, ihrer Volks- oder Religionszugehörigkeit ins Koma zu prügeln. Oder ihnen mit einem Elektroschocker mehrere hundert Volt Strom durch den Körper zu jagen. Selbst wenn sie etwas tumb aussehen, würde ich noch nicht mal versuchen, ihnen ein Abo des Magazins, für das ich arbeite, zu verkaufen. Obwohl: So schlecht ist die Idee jetzt auch wieder nicht…

Was ich damit sagen will: Ich bin ein absolut friedliebender Mensch. Die einzigen Person, der ich bisher Ohrfeigen gegeben habe, ist meine Schwester. Vor über zwanzig Jahren. Und das auch nur eher andeutungsweise. Unsere Eltern mochten keine sich prügelnden Kinder.

Was ich außerdem sagen will: Ich verfüge weder über perverse Neigungen noch Phantasien. Aber wenn ich jeden Tag in Nachrichten in Zeitung und Internet lese, bekomme ich langsam das Gefühl, dass ich damit zu einer Minderheit gehöre.

Seit Wochen jagt eine Horrormeldung über angebliche und bewiesene Missbrauchsfälle die andere. Als (aus-der-Kirche-ausgetretener) Evangele hatte ich bisher eigentlich nichts gegen die katholische Kirche. Auch wenn ich froh bin, dass ich evangelisch erzogen wurde. Selbst wenn es einen Gott geben würde (was ich klasse fände, aber wofür ich als rational denkender Mensch aber auch einen Beweis bräuchte), würde der sich sicher nicht über eine Institution wie die Kirche ausdrücken. Da die Kirche ja auch etwas fürs Gemeinwohl tut, mag sie von mir aus weiterexistieren. Aber bitte nicht so.

Nach Inquisition und Hitler-Duldung entpuppt sich die Kirche nun also auch noch als ein prima Ort für Pädophile. Diese dürfen auch dann noch mit Kindern arbeiten, wenn sie einschlägig vorbestraft sind. Das wäre in etwa so, als wenn ein verurteilter Pyromane eine Ausbildung als Sprengmeister finanziert bekommen würde und danach täglich tausende Tonnen von Dynamit zur Verfügung hätte.

Und anstatt klar Stellung zu beziehen und endlich dafür zu sorgen, dass alle pädophilen Täter sofort an die Justiz ausgeliefert werden, übt sich die katholische Kirche in Schweigen und würde wahrscheinlich gerne alles unter den Teppich kehren. Was in Zeiten von Internet eher schwierig werden dürfte…Was mich auch interessiert: ob Deutschland ein Einzelfall ist oder ob die katholische Kirche weltweit pädophil unterwandert ist. Und ob das auch früher schon der Fall war.

Interessant:  Seit ein paar Wochenbekomme ich plötzlich per Post einen katholischen Gemeindebrief. Erst Kinder malträtieren und dann auch noch die Umwelt!  Eintreten werde ich in den Verein sicher nicht. Da ist mir die evangelische Kirche wirklich lieber. Da werden (bisher auf jeden Fall) keine Kinder missbraucht, sondern die Leute fahren „nur“ betrunken Auto…


Schwanger geht immer

März 16, 2010

Das schönste an der CeBIT ist die Hoffnung danach.  Die Hoffnung darauf, nicht Opfer der heimtückischen CeBIT-Grippe zu werden. Bis Mittwoch letzter Woche habe ich es wenigstens noch in die Arbeit geschafft, aber danach ging nichts mehr. Dafür kann ich jetzt die Frage beantworten: Kann man 4 Tage hintereinander im Bett liegen, auch wenn man sonst noch nicht einmal am Wochenende ausschlafen kann? Antwort: Man kann!

Gestern, am Tag 1 nach der CeBIT-Grippe der Arbeit und ca. 12 Stunden Arbeiten am Stück habe ich mir dann ernsthaft die Frage gestellt, ob Sklaverei nicht eigentlich schon abgeschafft worden ist. Was ich besonders an gut 12 Stunden Arbeit am Stück hasse: Wenn Kollegen, die pünktlich nach 7,5 Stunden Arbeit den Bleistift fallen lassen, die Verursacher sind. In diesem Zusammenhang finde ich übrigens folgendes Zitat sehr schön: „Der Stumpfsinnige, der nicht spricht, ist immer noch erträglicher als der Dumme, der nicht schweigen kann“ (stammt angeblich von Nicolas-Sébastian de Chamfort).

Dieses Zitat passte aber auch fantastisch zu meinem heutigen Morgen. Ganze 5 Stationen hatte ich himmlische Ruhe. Die S-Bahn war relativ leer und ich konnte ganz in Ruhe lesen (Foma Gordejew von Maxim Gorki. Ich spreche zwar kein russisch, finde russische Autoren aber wirklich genial). Bis ich plötzlich hysterisch schwatzende Mädchenstimmen hörte und dachte: „Geht weg!“

Das hätte ich wohl besser laut gesagt, denn wo setzen sie sich hin? Genau! Genau mir gegenüber. Dann entspann sich folgendes inhaltsschweres Gespräch:

„Ich muss mal pi…[piep]….“

„Nerv  mi nätt! Dann wärste halt eben gegangen.“

„Da musste ich noch nicht. Dann geh ich halt hier.“

„In der S-Bahn ist kein Klo.“

„Sch…[piep]-S-Bahn. Ey, man, was solln das?! Da zahl ich fu….[piep]ing viel Kohle für das Sch…[piep]-Ticket und dann ist hier noch nicht mal ein Klo.“

„Nerv nätt!“

„Ey und Hunger habe ich auch. Ich könnt jetzt alles fressen.“

„Machste doch sonst aus. Und dann ko…[piep] alles wieder aus.“

„Ey, Du bist auch so eine alte Fo…[piep].“

„Selber!“

Ja, so ging’s dann weiter. Was waren gegen solche Probleme schon die von Forma Gordejew? Na gut, manch russischee Romanheld hätte an meiner Stelle wahrscheinlich ein Kapitalverbrechen begangen, ich versuchte das Gespräch einfach zu überhören, was aufgrund der Stimmfrequenz eher weniger gut gelang.

Etwas später:

„Und auf die Sch…[piep]penne] habe ich auch keinen Bock. Der olle Sch…[piep]lutscher kann mich mal. Ständig diese be…[piep]enen Hausaufgaben, als wenn man nichts anderes vorhätte.“

„Dann schwänz halt.“

„Geht nicht, habe schon zu viele Fehlstunden. Meine Alten machen voll Streß, wenn noch mal jemand von der Schule anruft.“

„Dann sag, du bist schwanger und musst zum Arzt.“

„Hab ich vor zwei Monaten schon gemacht.“

„Dann sag halt, dass Du jetzt bei der Abtreibung warst.“

„Hab ich vor einem Monat gemacht.“

„Dann sag halt, dass Du wieder schwanger bist.“

„Gute Idee!“

Dieses Gespräch kann eigentlich stellvertretend für die ganzen anderen Gespräche stehen, die ich so am Morgen erleiden muss – ob ich will oder nicht. Was mich langsam zu der Frage bringt: Werden die Menschen immer dümmer oder werde ich mit zunehmendem Alter immer empfindlicher?


Tierische Cebit-Highlights

März 9, 2010

Irgendwie kann ich meinen Körper bei den momentanen Temperaturen nur schwer davon überzeugen, nicht in den Winterschlaf zu fallen. Dabei hatte ich gedacht, dass nach der Cebit alles besser wird. Wettertechnisch gesehen. Wurde es aber nicht…auf der Cebit war das Wetter ja vergleichsweise gut. Okay, es gab auch mal Schnee, aber dafür schien auch mal die Sonne. Glaube ich.

Die Cebit war übrigens relativ langweilig. Das fliegende Hoverboard aus „Zurück in die Zukunft“ wurde immer noch nicht vorgestellt (da warte ich jetzt schon seit über 20 Jahren drauf!) und so musste ich kreuz und quer über die Messe laufen. Die tollen Presse-Taxen sind nämlich nie da, wo man sie braucht…

Mein persönliches Highlight der Messe erlebte ich übrigens am Mttwochabend. Ich war schon relativ früh im Hotel (sonst immer privat untergebracht, weshalb das Hotelzimmer an sich auch ein Highlight war!) und wollte schon so um halb 12 Uhr schlafen gehen, als ich eine circa 4-5 Zentimeter große Spinne an der Wand hocken sah. Nicht so eine kleine nette mit dünnen Beinen (die mag ich auch nicht), sondern so ein echt fettes Ding. Wenn ich eine Phobie habe, dann eine vor Spinnen.

„Jantar“, dachte es also in mir. „Was nun?“

Ich widerstand dem Impuls, schreiend wegzurennen. Aber es war natürlich ganz klar: Einer von uns beiden musste gehen. Da ich schlecht mit Decke und Kissen in den Flur ziehen konnte, versuchte ich die Spinne zu überzeugen abzuhauen. Was sie bewog, etwas näher auf mich zuzulaufen und mich mit einem Satz aus dem Zimmer brachte.

Kurz bevor meine Hand völlig automatisch am Nebenzimmer klopfen konnte, kam die rettende Idee:  Rezeption.

Na gut, die verwirrt/amüsierten Gesichter an der Rezeption brauche ich jetzt sicher nicht näher zu beschreiben. Aber trotz des Gefühls, sich perfekt zum Deppen gemacht zu haben, überwog die Erleichterung, als eine resolute ältere Frau mir folgte.

Damit die Spinne auch da blieb, wo sie war, hatte ich das Licht angelassen und Spiderman hatte mich nicht enttäuscht. Hing immer noch blöd an der Wand und fühlte sich wohl schon als Sieger im Kampf um das Zimmer.

Dem gut gemeinten Rat: „Bleiben Sie lieber draussen“, gehorchte ich gerne, auch wenn ich mir natürlich die Frage stellte, welcher fiese Kampf nun im Zimmer abgehen mochte. Aber ich hörte nichts. Und eine halbe Minute später hatte ich mein Zimmer wieder, auf den ersten Blick auch spinnenfrei.

Das hinderte mich natürlich nicht daran, die nächsten Minuten das komplette Zimmer auf den Kopf zu stellen. Denn wo eine Spinne ist…aber da die Spinne zum Glück kein Rudeltier ist, fand ich nichts mehr.

Ja, die letzte Woche war wirlich aufregend…und interessant ist auch, dass ich die Cebit erkältungsfrei überstanden habe, dafür aber jetzt erkältet bin. Schnief…