Du verdammtes Biest!

November 9, 2010

Gut, ein bisschen mehr Freizeit hatte ich mir für meinen Start in die Selbstständigkeit schon erhofft, aber da ich nicht möchte, dass alle meine Freunde und Bekannten mich mit  „Wir haben es Dir ja gleich gesagt“, überfallen, versuche ich das alles mit einem relaxten Schulterzucken zu übergehen. Okay, relaxt wirkt meine Körpersprache aktuell wohl gerade nicht, aber ich übe das jetzt so lange vor dem Spiegel, bis es klappt…;-)

Im Moment macht es trotz allem auf jeden Fall mehr Spaß, als die Arbeit in der Redaktion. Und die wenige Freizeit verbringe ich gerne beim Laufen durch die Natur (da fällt mir gerade ein, dass ich die letzten zwei Tage nicht eine Sekunde vor der Tür war…).

Am letzten Wochenende aber schon. Und als ich nach ca. 10km vollgepumpt mit Endorphinen (oder was auch immer) schon in Sichtweite meiner Wohnung war, hörte ich plötzlich ein „Du verdammtes Biest!“.

Ich bezog das verständlicherweise nicht auf mich. Leute, die mich kennen, würden mich immer als einen netten, höflichen, toleranten und liebenswerten Menschen beschreiben (wehe, wenn nicht!).

Das Dumme war nur, dass ich niemand anderen auf der Straße entdecken konnte. Außer einem ca. 4-jährigen Jungen, der mich mit einem fröhlichen „Wenn-ich-groß-bin-will-ich-das-nervigste-Kind-der-Welt-werden“-Blick anguckte.

Ich schluckte das mir als erstes in den Sinn kommende „Halt den Mund“ (jugendfreie Variante) herunter und probierte es stattdessen mit einem pädagogischen „Was hast Du gesagt?“

„Du verdammtes Biest!“

Ich kam mir vor wie Bugs Bunny. Aber „Das bedeutet Krieg“ erschien mir als Antwort zu krass. Als wählte ich: „Hol doch mal bitte Deinen Vater.“

„Mein Papa ist Grundbesitzer.“

Diese Info ohne Kontext fand ich spannend. Ob man bei einem Reihenhaus mit ca. 20 qm Garten von Grund sprechen kann, ist allerdings fraglich…

Ich fuhr erneut alle pädagogischen Tricks auf:

„SOFORT!“

Was Kevin, der sich später als Jakob entpuppte auch wirklich tat. Oder so tat, als würde es das tun und mit folgender Info wiederkam:

„Papa putzt sich gerade die Zähne, danach kommt er.“

5 Minuten später hatte ich erkannt, dass mich ein 4-jähriger auszutricksen versuchte. Oder Nervkind-Papa war Monk, was ich eher bezweifelte.

Ich widerstand der Versuchung, den Weg durch die offene Balkontür zu nehmen und mich als Biest zu outen und wählte stattdessen die Haustür.

Ein blondes Trutchen machte die Tür auf (Desperates Housewives gibt’s echt nur in Amerika).

Ich bereute mein Klingeln bereits. Die Nachricht von ihrem mißratenen Sohn würde ihr sicher schlaflose Nächte bescheren. Auf der anderen Seite wollte ich kein Kind in unmittelbarer Nachbarschaft, dass mich beim Laufen ständig beschmipfte.

„Ihr Kind hat ‚Du verdammtes Biest!‘ zu mir gesagt und jetzt fände ich eine Entschuldigung ganz angebracht!“

„Von uns hat er das nicht! Jakob hast Du ‚Du verdammtes Biest‘ gesagt?“

Jakob: „Nein!“

Trutchen: „Lüg nicht!“

Jakob: „…vielleicht…!“

Trutchen (zu mir): Von uns hat er das nicht. Die Nachbarin sagt immer zu ihrem Hund ‚Du verdammtes Biest‘, das hat er wohl gehört. Wir reden nicht so. Wir sind anständige Leute.“ Zu Jakob:  „Du entschuldigst Dich jetzt!“

Jakob: „Nein!“

Ich: „Ich will hier weg!“ (nur in Gedanken!)

Trutchen: „Du fährst nicht mit zu Oma.“

Jakob mit zu Blick auf den Boden und einem Grinsen wie Chucky, die Mörderpuppe: „Schuldigung…“

Trutchen: „Richtig!“

Jakob: „Schuldigung…“

Ich beschließe nie wieder was zu ungezogenen Kindern zu sagen, weil die Eltern meist noch viel schlimmer sind und versuche, langsam den Rückzug anzutreten, da kommt die noch fehlende Frage:

„Haben Sie eigentlich Kinder?

Mir liegt ein „Zehn“ auf der Zunge, „aber die leben alle in Pflegefamilien, weil ich ihnen Canabis in den Milchbrei gerührt habe.“ Aber ich beschließe dann doch bei der Wahrheit zu bleiben:

„Nein, aber man braucht auch keine eigenen Kinder, um zu erkennen, dass ein Kind ungezogen ist.“

Das saß. Das Gesicht verzog  sich zu einer säuerlichen Miene und ich verzog mich auch ganz schnell, damit ich nicht das  nächste Mal von der ganzen Familie mit einem „Du verdammtes Biest“ empfangen werde…


Das schnellste Huhn der Welt

August 4, 2010

Zugegeben: So richtig gut aufgepasst habe ich in Biologie nie. Was sich aber in keinster Weise negativ auf mein Studiums- oder Arbeitsleben ausgewirkt hat, weil ich mich schlauerweise gegen ein Biologie-Studium entschieden habe und jetzt auch nicht in der forschenden Industrie oder auf einem Bio-Bauernhof arbeite.

Aber: Auch wenn man sich nicht wirklich für Biolgie interessiert, kann man immer wieder überrascht werden. So wie ich gestern beim Inder. Ich aß, was ich dort meistens esse: Etwas Vegetarisches. Dieses Mal Tandoori-Gemüse. Sehr lecker! Die in  der Karte versprochenen Gemüsesorten – Blumenkohl, Brokkoli, Zucchini, Pilze, Auberginen waren interessanterweise jeweils genau einmal vorhanden.

Nur: Bei dem Teller auf der anderen Tischseite stimmte etwas nicht. Auf mein ausdrückliches Quengeln ist dort ein 1/2 Tandoori-Chicken bestellt worden. Ich konnte mich nämlich nicht entscheiden, ob ich Huhn oder Gemüse wollte. Das Tandoori-Chicken sah auf den ersten Blick ganz gut aus.

Jedoch: Dieses Huhn war etwas ganz Besonderes. Da lagen nämlich 2 Schenkel auf dem Teller. Da ich noch nie ein ganzes Huhn mit 4 Beinen gesehen habe, war ich begeistert. Und biss dann gut gelaunt in meinen wahrscheinlich nur ein bisschen genmanipulierten Pilz. Ein Huhn mit 4 Beinen wäre mit Sicherheit der neue Star auf dem Bauernhof. Und falls es sich mal in den Krüger-Park verirren sollte, könnte es von der Geschwindigkeit wahrscheinlich locker mit einem Gepard mithalten.

Wer braucht schon Flügel, wenn er 4 Beine haben kann?


Maibock und nervende Kinder

Mai 20, 2010

Damit Ihr nicht denkt, ich wäre so faul, wie es den Anschein hat, hier das Versprechen, dass es mit meinen schreiberischen Aktivitäten auf Jantarblog bald wieder besser wird.

Aber momentan bin ich gefangen zwischen fiesem Bürokratismus und dem Versuch, eine Buchidee in Zeichen umzusetzen. Und das klappt sogar besser als gedacht. Wenn ich etwas weiter fortgeschritten bin, bin, werde ich hier 1-2 Probekapitel veröffentlichen.

Aber bis dahin bleibt mir nur über das zu schreiben, was mir so tagtäglich passiert und das ist mitunter erschreckend banal. Aber nichtsdestotrotz auch erschreckend nervig. Gestern hatte ich beispielsweise einen geschäftlichen Mittagstermin, der sich ganz furchtbar in die Länge zog, nämlich von 12.30h bis 16.00h. Okay, vielleicht war es nicht meine beste Idee, das Augustiner-Brauhaus in München als Treffpunkt vorzuschlagen. Aber Besuch von auswärts steht nun einmal auf typisch bayerischen Touri-Kram und da ich privat eigentlich nie dahin gehe, fühle ich mich dann auch immer ein wenig wie im Urlaub. Das Augustiner sollte sich auf jeden Fall eher als schlechte Idee erweisen, denn mein Besuch bestellte gleich zum Einstieg ein Maibock. Ich kam mir dann mit meiner Apfelschorle fast ein bisschen Weichei-mäßig vor. Nach weiteren zwei Maibock wurde dann die Kommunikation etwas anstrengend – für mich.

Irgendwie schaffte ich es dann, meinen Termin an der S-Bahn Richtung Hauptbahnhof abzusetzen. Ob er den richtigen Zug nach Stuttgart gefunden hat, habe ich allerdings noch nicht herausfinden können.

Auf der S-Bahn-Rückfahrt durfte ich dann noch live ein bockiges Kind erleben. Mal ehrlich, wenn ca. 5-jährige Kinder Worte wie „Ich bin sooo traurig“ oder „Ich bin soooo sauer auf dich“ in den Mund nehmen, haben sie entweder zu viel Super-Nanny geguckt oder sind auf dem besten Weg in Richtugn Psychotherapie.

Erstaunlich, dass die Eltern zu dem Geplärre nie was sagen. Denn warum muss ich ertragen, dass Eltern unfähig sind, ihre Sprösslinge zu erziehen?! So schwer ist es nicht, kleinen Menschen zu sagen, was erlaubt ist und was nicht. Und wenn das verbal nicht funktioniert, finde ich einen Klaps auf den Allerwertesten auch eine ganz gut Lösung. Aber anscheinend ist das heute ganz normal, dass Kinder nerven und Eltern das lustig/normal finden…


Bahnfahren macht Spass…

Februar 12, 2010

Wenn ich heute morgen in weiser Voraussicht nicht meine Wolfshaut-Jacke angezogen hätte, die etwas von einer Komfortzone bis minus 10 Grad verspricht, wäre meine Körpertemperatur wahrscheinlich immer noch 5 Grad unter normal. So sitze ich nur seit einer Stunde im Büro und versuche mit dem Zähenklappern wieder aufzuhören. Der Grund? Einmal mehr diese absolute unfähigen – PIEP PIEP PIEP PIEP (meine Erziehung verbietet mir, alle Worte, die mir gerade so im Kopf herumgehen, niederzuschreiben – Penner vom MVV (Münchner Verkehrsverbund).

Während ich die S-Bahn, die 3 Minuten zu früh (für mich, für die anderen wahrscheinlich 10 Minuten zu spät) kam, noch sehen konnte, erlebte ich dann einmal mehr das übliche Winterdebakel der S-Bahn. Nachdem die S-Bahn etwa zehn Minuten zu spät war, gab es die erste Durchsage, in der etwas von 5 Minuten Verspätung gesagt wurde. Hä???

Aus den 5 Minuten wurden dann 10, 15, 20. Irgendwann gab es einfach keine Durchsage mehr und 40 Minuten später kämpfte sich dann endlich mal wieder einen S-Bahn den Weg durchs verschneite Münchner Umland.

Schade eigentlich, meine gute Laune hatte gerade ihren Höhepunkt erreicht. ..Außerdem hatte ich der Bahn noch 5 Minuten Zeit gegeben, dann hätte ich beschlossen, dass heute ein guter Tag für Home-Office sei.

Und so sitze ich jetzt hier und hoffe, dass heute bei den Bahnverantwortlichen die Heizug ausfällt, der Kaffee nach Entkalker schmeckt und sie heute Abend auch öffentlich nach Hause müssen – aber bitte nicht mit meiner S-Bahn, ich will nicht schon wieder blöd rumstehen….


Versemmelte Semmel

Februar 5, 2010

Als zwischen Harz und Heide geborener Mensch (für Bayern sind das schon echte Norddeutsche) schlage ich mich in Bayern eigentlich ganz gut durchs Leben. Ich verstehe auch Dialekt sprechend Bayern ziemlich gut und mittlerweile rutschen mir auch schon echt bayrische Redewendungen über die Lippen, wie „I moag ned“ oder „A Packerl Watschn ist glei aufgerissen“ (für alle Nicht-Bayern: Viel Spaß beim Herausfinden, was das heißt…).

Aber anscheinend ist mein Bayerisch noch nicht gut genug für einen Einkauf beim Bäcker. Denn heute morgen habe ich bei einer Bäckereikette, die ich sonst gerne meide und deren Name an den typischen Durchschnittsdeutschen erinnert, ein Brötchen, also eine Semmel gekauft. Nur hieß die nicht Semmel, sondern Knusperweckerl. Wer schon mal bei dem Bäcker eine Semmel gekauft hat, weiß: Die Semmeln sind hier meist alles andere als knusprig.

Und genau deshalb war ich erfreut, dass es neben den Standard-Knopfsemmeln auch Knusperweckerl gab. Das verhieß doch ein leckeres, knuspriges Hereinbeißen. Außerdem gefiel mir die längliche Form auch besser als die runde Form der Knopfsemmel. Und sechs Cent billiger war sie auch noch.

Fröhlich zahlte ich meine 27 Cent und startete damit also 6 Cent reicher als gedacht in den Tag. Als ich dann zwei Stunden später in meine Semmel beißen wollte, musste ich erkennen:  Der Begriff Knusperweckerl hat anscheinend gar nichts mit dem Wort „knusprig“ zu tun. Vielmehr scheint dieser Begriff in Bayern nur ein Synonym für „letschert“ zu sein, also ein weiche, nicht mehr knusprige Semmel.

Alternativ kann es aber auch einfach so sein, dass ich das Marketingsprech von dem Bäcker nicht verstehe…


Persönliches Arschloch

Februar 2, 2010

Als ich mal wieder einen dieser Tage hatte, an denen mir ein Großteil meiner Mitmenschen tierisch und ein spezieller Mitmensch (= Kollege) unsagbar auf die Nerven gingen, sagte mir jemand, dem ich mit diesem „Mir gehen alle unendlich-astronomisch-nicht-mit-Worten-ausdrückbar auf den Keks“ wohl ein klein wenig lästig fiel, Folgendes:

„Jeder Mensch hat ein Persönliches Arschloch. Ein Arschloch, das nur für ihn auf der Welt zu sein scheint und keine andere Aufgabe hat, als unsagbar nervig zu sein. Wenn Du morgens aufstehst, begrüße in Gedanken schon einmal Dein personal asshole. Denn schließlich kann es nichts für seine Bestimmung und wäre bestimmt auch viel lieber ein ganz netter und umgänglicher Mensch.“

Ach, so einfach war das? Hm, wenn ich so drüber nachdenke, komme ich sicher auf mehr als ein P.A. (falls Kinder mitlesen, nehme ich ab jetzt nur noch die Abkürzung. Kinder: Dieses Wort bitte nicht benutzen!). Aber mein Persönlichstes A. ist ein Kollege, der leider in Hör- und Riechweite von mir sitzt. Das Problem: Er redet ständig, viel, laut. Wenn er nicht redet, isst er. Meistens Süßigkeiten, mittags gerne Fisch. Der Fisch ist erst dann gut, wenn er abartig stinkt. Da die Küche schräg gegenüber von meinem Büro liegt, freue ich mich über jeden Tag, an dem ich eine verschnupfte Nase habe. Dabei mag ich Fisch. Aber nur mein P.A. kommt auf die Idee, damit die die Kollegen einzunebeln.

Oder gibt es noch mehr P.A.s?


Zu viel Schnee

November 18, 2009

Neulich musste ich mich wieder mit jemandem herumstreiten, der meinte: „2006? Viel Schnee? Ne, das ist doch schon viel länger her.“

Weil ich nun einfach wusste, dass ich Recht habe, grundsätzlich gerne Recht habe und dann auch von anderen hören will, dass ich Recht habe, habe ich gerade meine Festplatte durchsucht und dieses Beweisfoto gefunden:

Ja, so sah (m)ein Balkon in München im März/April 2006 aus. In dem Jahr, in dem ich wirklich keinen Schnee mehr sehen konnte….