Kinotipp: Willkommen bei den Sch’tis

November 12, 2008

Ja, ein bisschen mühsam ist es schon, telefonisch Karten für den Film zu reservieren. Dafür wird man aber auch mit einem rundum netten Gute-Laune-Film belohnt. Der Film wird in Deutschland übrigens so beworben: „Über 20 Millionen Franzosen können sich nicht irren“. Natürlich bin ich da sofort gewillt zu sagen; „Doch!“ – aber in diesem Fall wäre Kritik wirklich unangebracht.

Worum geht’s?

Philippe Abrams (Kad Merad) ist Filialleiter eine kleinen Postfiliale in der Provence und hilflos den Launen seiner Ehefrau ausgesetzt. Diese will an die sonnige Cote d’Azur, aber mit der Versetzung will es einfach nicht klappen. Um seinem Glück etwas auf die Sprünge zu helfen – und weil ihm ein körperlich behinderter Mensch gerade eine Position knapp vor der Nase weggeschnappt hat – gibt sich Abrams beim nächsten Versetzungsgesuch als Rollstuhlfahrer aus.

Alles scheint gut zu gehen. Der eigens angereiste Kontrolleur glaubt ihm (sehr lustig, wie Abrams den für den Fall einer Kontrolle gekauften Rollstuhl in allerletzter Sekunde aus der Folie reisst und aufbaut!) und alles wäre gut, wenn er nicht zum Schluss doch noch einen fatalen Fehler begehen würde.

Als Konsequenz gibt es eine Strafversetzung in den unbeliebten Norden, genauer gesagt, nach Bergues, einer Kleinstadt irgendwo in der Nähe von Lille. Frau und Kind sind wenig begeistert von der Versetzung und bleiben erst mal in der Provence, während sich Abrams alleine in den kalten Norden aufmacht.

Dort lernt er auf spektakuläre Art seinen neuen Kollegen Antoine Bailleul (Dany Boon) kennen – und versteht kaum ein Wort, von dem was dieser ihm erzählt. Missverständnisse bleiben da natürlich nicht aus. Doch trotz diverser Sprachprobleme läuft dann alles besser als gedacht: Die Postleute akzeptieren ihren neuen Chef und nach zwei Wochen wirkt es so, als wenn sich alle schon ewig kennen würden. Fast schon etwas trauig fährt Abrams dann übers Wochenende wieder nach Hause.

Als seine Frau ihm nicht glaubt, dass alles viel besser als erwartet ist, erzählt ihr Abrams genau das, was sie hören will und beschreibt seine neuen Kollegen als einen haufen disziplinloser Barbaren. Von nun an wird sein Leben immer besser: Zwei entspannte Wochen in der Arbeit mit netten Kollegen und am Wochenende eine liebende Frau, die sich rührend um ihn sorgt.

Dumm nur, dass seine Frau bald schon beschliesst, ihm in den kalten, grauenhaften Norden zu folgen…

Ein Highlight des Film ist auf jeden Fall die Sprache. Während in den franzöischen Originalversion der „Ch’ti“-Dialekt (auch „Picard“ genannt ) verwendet wird, hat der deutsche Verleih Prokino für die deutsche Synchronisation eine Kunstsprache entwickelt. Bei dieser werden beispielsweise alle „S“-Lauten wie „Sch“ gespochen, also aus dem Wort „Bus“ ein „Busch“ wird. Ebenfalls nett sind auch die zahlreichen neugeschaffenenen Worte: „Blödbommel“ steht für Idiot, „Braunkack“ für „Scheiße“.

Wer den Film noch nicht gesehen hat: Unbedingt ansehen!


Sex and the City

Juni 18, 2008

Was macht man an einem ganz normalen verregneten Samstag im Juni? Richtig! Man geht ins Kino. Und stellt dort fest, dass der Frauenanteil erstaunlicherweise nur bei ca. 70 Prozent liegt. Der Film, der gezeigt wird heißt „Sex and the City“.

Für alle, die dem Hype um Carrie, Samatha und Co. bisher standhaft aus dem Weg gegangen sind: Es geht um vier toughe New Yorkerinnen, die in einer 94-folgigen Serie gezeigt haben, wie wichtig echte Freundschaften im Leben sind. Außerdem im Mittelpunkt des Geschehens: Sex, Männer, Enttäuschungen, Glücksgefühle – eben alles, was erfolgreiche New Yorker Frauen im Alter von Mitte 30 bis Mitte 40 täglich erleben.

Der Film zur Serie sorgt nun für einen krönenden Abschluss und war, trotz einer Länge von 145 Minuten weder zu langatmig noch zu kitschig. Dafür dramatisch.

Denn: Wer würde nicht tagelang im Bett bleiben, wenn er bei der Hochzeit versetzt wird, weil Braut oder Bräutigam kurz vor der Trauungszeremonie kalte Füße bekommt? Und wie erklärt man 200 Gästen, dass sie getrost wieder nach Hause gehen können? Gar nicht, wenn man so gute Freundinnen wie Carrie Bradshaw hat. Dann lässt man sich im exklusiven Vivienne-Westwood- Hochzeitskleid ins nächste Tax verfrachten, aus dem man nur noch einmal aussteigt, um dem reuigen Bräutigam, der sich dann doch entschlossen hat zu heiraten, die Blumen auf den Kopf zu knallen.

Dass schließlich doch noch alles im besten Happy-End endet, ist große Kino-Kunst.

Dass auch einige Männer heimlich zum Taschentuch griffen und hofften, nicht von der eigenen Freundin dabei erwischt zu werden, ist sehr große Kino-Kunst.