Ohrwärm-Mützen

Juni 18, 2008

Fragt Ihr Euch auch manchmal, warum Ihr nicht reich und berühmt seid oder einen unheimlich coolen Job habt?

Gerne wäre ich zum Beispiel Chef-Designer bei Apple und verantwortlich für das iPhone-Design. Dann gäbe es Menschen, die in ihren Blogs schreiben würden, dass sie gerne wie ich wären, ich würde einen Haufen Kohle verdienen und könnte mir davon heimlich ein Handy kaufen, mit dem man auch wirklich telefonieren kann.

Dass ich heute nicht Chef-Designer bei Apple bin, liegt in meiner frühesten Kindheit begründet:

Da musste ich nämlich im Winter (und eigentlich auch im Frühling, wenn’s also schon viel zu warm war) immer diese grauenhaften, selbst gestrickten Wollmützen tragen. Man hatte gefühlte 2 Kilo Wolle auf dem Kopf und zusätzlich hingen an der Seite noch formunschöne Dreiecken herunter, die im Notfall auch Dumbos Ohren vor dem Auskühlen geschützt hätten.

Urheber der Mützen waren übrigens meine Omas und Tanten, die auf diese Weise ihre hässlichen Wollreste in den Farben schlammgrün, altrosa oder dreckiges schlumpfblau loswurden.

Die schlimmsten Exemplare hatten außerdem noch eine Art integrierten Schal, der für Eltern zwei entscheidende Vorteile hatte:

1) Sie brauchten nur 10 Sekunden, um das quengelnde Kind ausgehfertig zu haben.

2) Sie mussten nie Angst haben, dass irgendein perverser Kinderschänder auf die Idee kommen würde, das eigene Kind anzusprechen.

Dass ich es trotz der Ohrwärm-Mützen geschafft habe, zu einem halbwegs normalen Menschen zu werden, dass ich arbeite und nicht Hartz-4 beziehe, ist eine persönliche Höchstleistung.

Trotzdem: Ein Mensch mit Ohrwärm-Mützen-Vergangenheit kann weder Chef-Designer bei Apple noch reich und berühmt werden…

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Dosenbier

Juni 17, 2008

Ich mag eigentlich kein Bier aus der Dose. Denn ich bilde mir immer ein, dass das Bier schal und nach Blech schmeckt.

Aber seit es nach Einführung des Einwegpfands kaum noch Dosenbier zu kaufen gibt, habe ich die breite Auswahl der Getränkedosen im Regal immer vermisst.

Was waren das noch für schöne Zeiten, als man sich für 39 Pfennig eine Dose Hansa-Pils kaufen konnte? Natürlich hat Hansa-Pils auch vor 15 Jahren nicht geschmeckt. Aber dafür konnte man sich mit der Bierdose in der Hand wie ein kleiner Revoluzzer fühlen. Denn welcher Oma standen nicht die Haare zu Berge wenn wir Schüler mit dem guten Hansa-Pils im Park rumlümmelten und einen auf cool machten. Nur unsere Eltern durften davon nichts wissen…

Und heute? Wird man als Klima-Killer und Erd-Zerstörer beschimpft, wenn man auch nur daran denkt, ein Dosenbier zu kaufen.

Aber vor zwei Wochen habe ich Greenpeace & Co. ein Schnippchen geschlagen!

Ich war nämlich in den USA. Und habe mir einen Sixpack Bier gekauft. Den gab’s da. Einfach so. Denn von Einwegpfand haben die Amis noch nie was gehört. Wie auch? Die sind ja nicht in der EU.

Eingepackt in einer brauen Papiertüte (die Amis kennen da keinen Spaß) habe ich meinen Schatz schnell ins Hotel gebracht. Um dort beim Öffnen der ersten Dose festzustellen,

dass ich eigentlich kein Bier aus der Dose mag.