Sprung in den Tod

Juli 3, 2009

Meine erstaunlich gute Laune am Morgen hielt heute genau bis zum Abbiegen in die Straße, die zur S-Bahn führt. Ein Großaufgebot von Feuerwehr- und Polizeiwagen überflutete die Straße. Da ich nur einen Krankenwagen sah, glaubte ich zunächst noch an etwas Harmloses, auf jeden Fall nicht daran, dass Menschen verletzt worden wären.

Leider erfuhr ich dann kurz darauf, dass sich ein Mensch vor einen Zug geworfen hat. Den Zug, der erst mehrere Hundert Meter später zum Stehen gekommen war, konnte ich gut erkennen. Außerdem bilde ich mir ein, dass ich noch etwas auf den Schienen liegen gesehen habe. Ich habe aber lieber sofort wieder weggeguckt, es gibt Sachen, die muss ich nicht sehen.

Ich bin aber froh, dass ich nicht mehr in einer Lokalredaktion arbeite. Im Prinzip sind das ja schon fast Highlights im Alltag einer Lokalredaktion. Obwohl es wohl kaum einen Journalisten geben dürfte, der so etwas aus der Nähe sehen will.

Ich bin irgendwie immer noch geschockt. Habe einen Selbstmord noch nie so aus der Nähe mitbekommen, Mir tut besonders der Zugführer leid, der jetzt mit einem furchtbaren Bild vor Augen leben muss. Aber auch der Mensch der gesprungen ist, tut mir leid. Wenn ich auch immer denke: Können die Leute sich nicht anders umbringen? Etwas weniger öffentlich? Ich habe aber irgendwo mal gelesen, dass Zugspringer oft sehr spontan agieren, d.h. sie wissen vorher nicht, dass sie vor den Zug springen werden.

Interessant ist zu solchen Ereignissen immer die öffentliche Kommunikation. Beim MVV-München lese ich nur etwas von einem Polizeieinsatz. Meinem Gefühl nach nehmen die Polizeieinsätze in München gerade ziemlich zu. Mir tun jetzt schon alle Zugführer leid.

So, ich muss mich dann langsam wieder der Arbeit widmen. Und verspreche, dass der nächste Eintrag wieder etwas lustiger sein wird…

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