Lebenshilfe, freiwilliges Jahr in Afghanistan oder…

Dezember 18, 2012

Das schöne an einem Blog ist: Er ist immer noch da. Auch dann, wenn man ihn einfach Monate lang unbeobachtet links liegen lässt. Und so kann ich mein misantrophisches Denken auch mal wieder in Worte fassen.

Kurzes Fazit nach 2,5 Jahren Selbstständigkeit: Es macht immer noch mehr Spaß, als mir bisher jeder Job als festangestellter Redakteur gemacht hat. Außerdem muss ich mir als Selbstständiger auch nicht ständig anhören, was für tollen Qualitätsjournalisums die lieben Kollegen da fabrizieren.

Einziger Wermutstropfen: Der Kunde als solcher. Wobei es ja immer solche und solche gibt. Da ist zum einen der unheimlich nette Kunde. Der einen so brieft, dass man versteht, was er von einem will. Der in seinen Mails Zeit für eine korrekte Anrede und Grußformel hat. Bei dem nur ein Ansprechpartner auf mich einmailt (auch wenn manchmal xxx Leute auf CC stehen, die ich alle nicht kenne). Der auch mal ein Lob in seinen Mals unterbringt (so was freut ja schließlich auch misantrophische Jantars!). Der offen für Anregungen und Vorschläge ist.

Und dann gibt es den anderen Kunden: Der Visionär, der sich als legitimen Nachfolger von Steve Jobs sieht (und jedes noch so langweilige Produkt für eine Weltneuheit hält). Der mich nicht brieft. Denn als studierter Mensch werde ich ja wohl ahnen können, was er will. Der Mails gerne mit so schmissigen Worten wie „Heyho“ beginnt (Ich bin zwar klein, spreche aber trotzdem nicht zwergisch!). Der jeden Monat neue Mitarbeiter einstellt, diese aber anscheinend auch nicht brieft. Ihnen dafür aber meine Mailadresse gibt. Was tun Mitarbeiter, die nicht wissen, was sie tun sollen? Richtig: Jantar anrufen oder anmailen. Das ist schließlich auch eine Art von Beschäftigung. Gerne stellt man Jantar auch Fragen, die Internes betreffen (Jantar sitzt 600 km weit weg und hat keine Ahnung, wer den letzten Bioladen-Teebeutel genommen  und die leere Schachtel im Schrank stehen gelassen hat!). Und Jantar kennt sich auch nicht mit internen Kennwörtern aus. Nach denen es aber mindestens ein Mal die Woche gefragt wird. Leider…Sonst hätte Jantar nämlich schon längst dem einen oder anderen den Account gelöscht!

Aber so ein Kunde hat auch was Positives: Ein freiwilliges Jahr in Afghanistan erscheint mit plötzlich gar nicht mehr so abwegig. Immerhin ein Land ohne funktionierendes E-Mail-System.

Auch einen Job bei der Lebenshilfe könnte ich mir gut vorstellen. Endlich mal ausspannen! Wobei, wenn ich so drüber nachdenke…Vielleicht habe ich diesen Job ja schon…?

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Der Sinn des Lebens – oder Working all over the day…

Juli 22, 2011

Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich ein Hamster im Laufrad fühlt, sollte sich selbstständig machen 😉

Fast ein Jahr der Selbstständigkeit liegt nun schon hinter mir und obwohl ich wahrscheinlich noch nie so wenig Schlaf wie im letzten Jahr hatte, muss ich sagen: Es war die beste Entscheidung meines Arbeitslebens! Statt mich jeden Tag in ein Schuhkarton-Büro zu schleppen, den Tag in Meetings mit Leuten, die ich nicht mag, zu verbringen, kann ich mir nun einbilden, mein eigner Herr zu sein.

Das stimmt natürlich nicht so ganz, weil Auftraggeber natürlich ebenfalls Chefallüren haben und der Arbeitstag nun durchaus auch mal 16 Stunden und mehr haben kann. Krank sein geht wahrscheinlich gar nicht (zum Glück noch nicht erlebt) und Urlaub wird schwierig, aber trotz allem: Ich bin mit allen Kunden/Auftraggebern zufrieden, kann mich über die Zahlungsmoral nicht beklagen und manche Jobs machen sogar 100%ig Spaß.

Die Konsequenz meines neuen Arbeitslebens ist, dass ich hier weniger über Kollegen, die mich nerven, schreiben kann. Aber natürlich gibt es noch genug Eigenheiten meiner Menschen, über die es sich lohnt, ein paar Worte zu verlieren.

Einer meiner Jobs bestärkt mich zum Beispiel in meinem Vorurteil, dass Lehrer oft seltsame Menschen sind. Wenn Sie in ihrem angstammten Lebensraum bleiben (Schule), entwickeln sie sich oft zu menschenhassenden, suizid- oder Amoklauf-gefährdeten Menschen. Verlassen sie ihren Lebensraum, werden sie meist nur zu Lebewesen, die alles (besser) wissen, sich gerne reden hören und glauben, der Großteil ihrer Mitmenschen würde den IQ eines Stücks Brot besitzen (okay, das trifft auch mich zwar auch alles zu ;-), aber ich bin trotzdem kein Lehrer).

In diesem Fall ist ein beliebter Tummelpatz für Ex-Lehrer die Politik. Alternativ halten sie sich aber auch gerne in kleinen und mittelständischen Unternehmen auf. Dort möchten sie gerne einen Titel haben, der wichtig klingt, notieren sorgsam alle Rauchpausen der Kollegen (um sie bei Gelegenheit dem Chef mitzuteilen) und sorgen dafür, dass sie mindestens einen Mitarbeiter unter sich haben, den sie mit unsinnigen Aufträgen in den Wahnsinn treiben können.

Für außenstehende Beobachter (wie Jantar) bedeuet dies unterhaltsame Arbeitsstunden, Mitleid mit den untergegebenen Mitarbeitern und das unbeschreibbare Glücksgefühl, nicht mehr den Launen eines Chefs ausgesetzt zu sein.

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende 🙂


Filling-Blog-With-Pulp-Writer

August 12, 2008

Wenn man ein wenig in der schönen neuen Community-Welt unterwegs ist, hat man ordentlich was zu lachen. Eine meiner Lieblingsplattformen ist zum Beispiel Xing.

Zum einen kann man es wirklich gut als aktuelle Kontaktdatenbank nutzen, zum anderen finde ich da immer wieder Stellenbeschreibungen, die mich nicht nur zum Schmunzeln bringen, sondern auch meine Fantasie beleben.

Hier meine Top-Favoriten:

1) Datenbank-Content-Administrator

Stellt Euch vor, Ihr wärt auf einer Party und jemand antwortet auf die obligatorische Frage nach dem Job mit diesem Wort. Was auf den ersten Blick mindestens so interessant wie Atomphysiker am Max-Planck-Institut klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung doch als echte Wortblase ohne Bedeutung.

Auch wenn das Wort Datenbank noch Ehrfurcht einflößend klingen mag: Das Wort „Content“ heißt nun einmal leider nichts anderes als Inhalt und ein Administrator ist jemand, der etwas verwaltet. Zu deutsch also: In diesem Job verwaltet jemand die Inhalte einer Datenbank.

Hm, das sollte doch eigentlich jede Sekretärin – oder wie es heute heißt: Assistenz – auch können.

Und sind wir dann nicht alle irgendwie Datenbank-Content-Administratoren? Wer hat zu Hause nicht eine Excel-Tabelle, in der er seine Videos oder Bücher aufgelistet hat? Na gut, Excel ist keine echte Datenbank-Anwendung, aber für alle Spitzfindigen unter Euch: Stellt Euch einfach vor, ich würde die Daten nach Access rüberkopieren.

2) Audience Manager / Community Manager

Ich gebe ja zu: das Wort Manager klingt auf jeden Fall immer wichtig. Die Frage ist nur: Was müssen denn die armen Mitarbeiter hier managen (übersetzt: lenken, führen, bewältigen, handhaben)? Wie verbringt man seinen Arbeitstag, wenn man ein Publikum, Zielgruppe (= audience) oder eine Gemeinschaft (=community) zu führen/lenken hat?

Darf man nach 1933 eine Tätigkeit wirklich so nennen, wenn man politisch korrekt sein will?

Was passiert, wenn die Gemeinschaft, das Publikum nicht geführt werden will?

Ist bei diesem Job eher eine dominante oder devote Grundhaltung von Vorteil?

Fragen, über Fragen. Ich finde Jobs, die man nicht in einem Satz erklären kann, gehören verboten!

3) Intellectual Property

Ja, das ist wirklich eine Job-Beschreibung, bei der ich nur staunen kann. Übersetzt heißt das ganze ja nur „Geistiges Eigentum“. Handelt es sich also bei dieser Spezies um die Hüter des Urheberrechtsgesetzes? Stecken hinter dieser schillernden Job-Beschreibung in Wahrheit nur gewöhnliche Juristen?

Auf jeden Fall hätte ich auch gerne einen Job, der unheimlich wichtig klingt und bei dem niemand erkennen kann, was ich eigentlich genau tue und kann. Dann kann nämlich auch kein Mensch überprüfen, ob ich auch wirklich das kann, wofür ich bezahlt werde.

Eine neue Berfsbezeichnung könnte etwa so aussehen: Filling-Blog-With-Pulp-Writer.

Klingt doch auch ganz spannend oder?

Kleine Bitte:

Falls Ihr jemanden kennt, der einen der oben genannten Berufe ausübt: Bitte mal posten, was man da zu tun hat. Besonders interessiert mich der Job Intellectual Property…